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Uneinheitlich

Von Ulrike Buchmann, Frankfurt am Main

Staub ist eine lästige Begleiterscheinung der Getreideernte. Er fällt beim Mähdrusch und jeder anschließenden Bewegung von Getreidekörnern an. Mit besonders großen Staubwolken vom Acker macht sich der Landwirt unbeliebt, der Lagergetreide an der Gosse abkippt. Das liegt in der Natur der Sache. Dass es möglich ist, den Staubanfall zu reduzieren, haben Landwirte in diesem Jahr gemerkt. Sie sind durch die Ankündigung der Mühlen, Staub gegen Entgelt zu entsorgen, sensibilisiert worden und ließen zum Teil etwas längere Stoppeln auf dem Acker stehen.

Staub, der vom Feld bis zur Vermahlung anfällt, zum separat zu "entsorgenden" Müll abzuklassifizieren, wird der Sachlage in Landwirtschaft und Agrarhandel aber nicht ganz gerecht. In den Mühlen arbeiten Entstaubungsanlagen, deren Filter den Staub auffangen. Ansonsten ist Staub oft nur ein Teil des Ausputzes. In der Vergangenheit sah man den Staub als unproblematisch an. Zwar können Stäube durch Fusarien belastet sein. In dem Fusarienjahr 1998 war dies bestimmt der Fall. Auch die Belastung mit Schwermetallen, PCB oder gar Dioxin dürfte höher sein als im Getreidemehlkörper. Solange das Bundeslandwirtschaftsministerium eine laufende Studie über Stäube aber noch nicht abgeschlossen hat und die Ergebnisse veröffentlicht, bleibt jedoch die Frage: Was hat Staub so besonderes an sich, dass man ihn getrennt entsorgen muss ? Ist er nicht genauso ein Naturprodukt wie Getreide, Stroh oder andere Rohstoffe, die in freier Natur wachsen?

Von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedliche Bedingungen haben in diesem Sommer bei Handel und Mühlen zu einer Bandbreite von Vorgehensweisen geführt, die vom Verzicht auf Abzüge über eine Pauschale bis zu differenzierten Abzugstabellen reichen. Die empfohlene Pauschale von 0,05 DM/dt wurde vor allem da erhoben, wo die Abrechnung nach Staubmenge nicht machbar war. Sie wurde allerdings der Realität oft nicht gerecht, vor allem wenn gereinigte und ungereinigte Ware über einen Kamm geschert wurden. In Niedersachsen wurde zum Teil bei den Mühlen eine Freigrenze bis 0,5 Prozent unverwertbare Windabgänge gewährt. Erst darüber wurden gestaffelt Abzüge gemacht. Damit haben die Mühlen gereinigte Ware honoriert. Solch ein Verfahren ist einsehbar und transparent. Werden dagegen Kosten in Rechnung gestellt, die nicht nachvollziehbar sind, werden sie andererseits von den Marktbeteiligten schnell als Preissenkung angesehen.

Die spezielle Situation der Mühlen ist die eine Seite. Beim Handel aber ist die Situation eine andere. Eigentlich müsste da der Blick auf den gesamten Ausputz gerichtet werden. Wenn er nicht dem Landwirt zurückgegeben werden kann, muss er schließlich insgesamt anderweitig verbracht werden. Auch da fallen Kosten an, wenn unverwertbare Reste ins Kompostwerk gebracht werden müssen. Es ist zu hoffen, dass die Diskussionen um die Stäube spätestens bis zur nächsten Ernte zu einem weitgehend einheitlichen, einsehbaren und transparenten Vorgehen führen. Das würde dem Vertrauen zwischen den Marktpartnern sicher gut tun.
 
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