1

Gute Figur

Von Olaf Schultz, Frankfurt am Main

Das nun schon traditionelle Jahrestreffen der Agrarjournalisten mit dem Bundeslandwirtschaftsminister hatte in der vergangenen Woche gleich mit zwei Besonderheiten aufzuwarten. Wohl zum letzten Mal war die alte Bundeshauptstadt Bonn Begegnungsstätte für diesen Gedankenaustausch. Neu war hingegen der Gastgeber. Diesmal erläuterte der sozialdemokratische Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke die Konzepte der Bundesregierung.

Eine Art von Aufbruchstimmung lag vom ersten Moment an in der Luft. Funke sprach von mehr Marktorientierung der deutschen Landwirtschaft und reellen Chancen im zunehmend globaleren Wettbewerb. Recht optimistisch sieht er auch den anstehenden WTO-Verhandlungen im Dezember dieses Jahres entgegen. Die Europäische Union kann in der neuen Verhandlungsrunde mit den Beschlüssen zum Agrarteil der Agenda 2000 seinen Worten nach eine solide und tragfähige Grundlage aufweisen. Ein Ergebnis der deutschen EU-Ratspräsidentschaft, wie Funke nicht ohne Stolz bemerkte. Allein mit dem gewählten Vokabular hob sich der Minister erfrischend von seinem Vorgänger Jochen Borchert ab, der seinerzeit die Agenda 2000 als perspektivlos ins Abseits stellte, ohne selbst überhaupt eine Alternative aufzuzeigen. Ziemlich rasch zog Funke die Anwesenden zudem als Pragmatiker in seinen Bann, indem er profunde Sachkenntnis unter Beweis stellte. Zu Detailfragen in bezug auf die Agenda-Beschlüsse nahm er offen und nachvollziehbar Stellung. Aber nicht nur in dieser Hinsicht machte Funke eine gute Figur. Der Minister neigte in sich anschließenden Diskussionen keinesfalls dazu, Dinge schönzureden und sich in Selbstzufriedenheit zu baden. Kritik an seiner Arbeit und Vorschläge nahm er gerne zur Kenntnis und versprach in Zweifelsfällen, den Dingen auf den Grund zu gehen. Deutlich wurde, daß der Minister auf der Suche nach Lösungen in jedem Fall realitäts- und praxisnahen Varianten den Vorzug geben wird. An der Kombination aus Arbeit am Schreibtisch und Gesprächen vor Ort will Funke jedenfalls - wie auch schon während seiner Amtszeit als Landwirtschaftsminister im Bundesland Niedersachsen - festhalten.

Funke hat es in der vergangenen Woche verstanden, bei den in Bonn versammelten Agrarjournalisten so manchen Pluspunkt zu sammeln. Der Bundeslandwirtschaftsminister überzeugte dabei nicht nur als Fachmann, sondern auch als Mensch. Funke besitzt durchaus das Charisma, auch eine breite Öffentlichkeit für sich gewinnen zu können. Er sollte diese Gabe daher nutzen und als Sympathieträger der Bevölkerung in Deutschland ein positiveres Bild von der Landwirtschaft vermitteln. Funke ist auch deshalb glaubwürdiger als sein Vorgänger, weil er sich mit Argumenten des Deutschen Bauernverbandes kritisch auseinandersetzt. Pauschaler Schwarzmalerei erteilt der Minister jedenfalls von vorneherein eine Abfuhr.
 
Das hätten Sie übrigens schon am Samstag lesen können...
ERNÄHRUNGSDIENST - Die Agrarzeitung für Sie!

Zweimal wöchentlich, nationale und internationale Entwicklungen in der Agrarpolitik, aktuelle Notierungen der in- und ausländischen Produktenbörsen, ausführliche Informationen und übersichtliche Darstellung der wichtigsten Märkte sowie die Extras: Agrarmagazin, Saatgutmagazin, Kartoffelwirtschaft, Düngemittel und Pflanzenschutz.

Nutzen Sie jetzt die Gelegenheit, den ERNÄHRUNGSDIENST kennenzulernen:
Vier Wochen kostenloses Probelesen!

Natürlich können Sie uns auch über den üblichen Weg
erreichen:

per Fax: 069-7595-1260
per Brief: Deutscher Fachverlag GmbH
60264 Frankfurt am Main
per Email: AgroOnline@dfv.de

stats