1

Nicht lustig

Von Cäcilie Daus-Speicher, Wiesbaden

Die Pfälzer Frühkartoffelsaison 2002 ist gelaufen. Vier Wochen vor dem offiziellen Kampagneschluss sind mehr als 80 Prozent der Flächen geräumt. Die restlichen Mengen werden den Vermarktern schier aus den Händen gerissen, sofern sie nicht für die eigenen Abpackanlagen benötigt werden. Doch was bleibt den Erzeugern: ein schmaler Geldbeutel und Jammern und Zähneknirschen über die wieder einmal vertanen Marktchancen.

Die Kampagne 2002 wird – das ist schon heute klar – einen der geringsten Wertumsätze der vergangenen zehn Jahre ausweisen. Neben den unbefriedigenden Preisen müssen die Erzeuger auch unterdurchschnittliche Hektarerträge verkraften. Die ursprünglich veranschlagte Vermarktungsmenge von 120.000 t ist mittlerweile auf eine Größenordnung von 100.000 t geschrumpft. Trotz dieser relativ kleinen Gesamternte fand ein Preisverfall statt, der die Frage nach der strategischen Ausrichtung der Frühkartoffelvermarktung nahe legt. Der Frühkartoffelmarkt ist eine hoch spekulative Angelegenheit, die die Kooperation und Koordination zwischen den einzelnen Anbauregionen geradezu herausfordert. Das Spiel heißt nicht mehr: „ich oder du (respektive Pfalz oder Niedersachsen oder Niederrhein)“, sondern „alle oder keiner“ und ist alles andere als lustig, zumindest für die Erzeuger.

Die laufende Saison dokumentiert dies eindrucksvoll: Mehr als die Hälfte der niedersächsischen Folienware stand Ende Juni noch auf dem Acker, weil niemand sie haben wollte – auch nicht zu Spottpreisen. Nur: ihr Einfluss auf die Preise der Pfälzer Grumbeere und damit auf das gesamte Frühkartoffel-Preisgefüge sind verheerend. Diese Störfeuer lassen sich im Grunde nur über Absprachen vermeiden. Ein Stillhalteabkommen zwischen Niedersachsen/Niederrhein und der Pfalz in der Form, der Juni gehört den Pfälzern und der Juli den anderen Anbauregionen, erfordert allerdings von den niedersächsischen und niederrheinischen Erzeugern einen enormen Vertrauensvorschuss, den sich die Pfälzer zunächst auch erarbeiten müssen.

Dies zu bewerkstelligen, ist die große Aufgabe der Erzeugergemeinschaften in Zusammenarbeit mit den Vermarktern und im Grunde nur zu bewältigen, wenn die Erzeugergemeinschaften über ein Markt gestaltendes Instrumentarium verfügen.
 
Diesen Kommentar hätten Sie übrigens schon am Mittwoch lesen können...
Agrarzeitung ERNÄHRUNGSDIENST - unabhängig - kritisch - aktuell

Nutzen Sie jetzt die Gelegenheit, die Agrarzeitung ERNÄHRUNGSDIENST kennenzulernen: Vier Wochen kostenloses Probelesen!


Was denken Sie?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung:

per Fax: 069-7595-1580
per Brief: Deutscher Fachverlag GmbH
60264 Frankfurt am Main
per Email: Brigitte.Stein@dfv.de
stats