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Kein Einfluss

Von Cäcilie Daus-Speicher, Wiesbaden

Das spätsommerlich trockene Wetter beschert den Zwiebelanbauern ideale Erntebedingungen. Weniger ideal fallen allerdings Erträge und Preise aus. Während die schwächeren Erträge eine Folge des feuchten Sommerwetters mit wenig Sonnenschein im Juli und August sind, verdankt der Markt das Tiefpreisniveau der aggressiven Verkaufspolitik der Niederländer, die ihre Sommersteckzwiebeln „auf–Teufel-komm–raus“ los zu schlagen versuchen. Dem Spuk bereitete zwar hierzulande das Angebot an heimischen Sommersaatzwiebeln mittlerweile ein jähes Ende, geblieben sind allerdings die unbefriedigenden Kurse. Und das wird auch vorerst so bleiben.

Früher als in Normaljahren hat die Haupternte der Sommerzwiebeln in allen Anbauregionen bereits Ende August begonnen. Ausnahme bildet die südwestdeutsche Erzeugerregion in der Rheinebene, wo in diesen Tagen schon die letzten Felder gerodet werden. Ungewöhnlich früh erfolgte in diesem Jahr der Übergang von der Wachstums- in die Reifephase. Die Fachleute führen dieses Phänomen auf den Kurztagseffekt in diesem verregneten Sommer zurück. Für die Zwiebelpflanze gibt eine kurze Sonnenscheindauer sozusagen das Signal zur Abreife. Hinzu kam regional der Befall mit Falschem Mehltau, der die Bestände frühzeitig zusammenfallen ließ. Je nach Standort fehlt den Speisezwiebeln in diesem Jahr also eine Vegetationszeit von 2 bis 4 Wochen. Die Auswirkungen zeigen sich in Hektarerträgen und Kalibern. Der Durchschnitt wird sich mit rund 40 t/ha etwa 10 t unterhalb einer Normalernte bewegen, wobei durchaus – wie etwa in Bayern - Ertragsschwankungen von 25 bis 70 Tonnen auftreten können. Die Sortiergrößen liegen im Haushaltsbereich, das heißt zwischen 40 und 70 mm, wobei durchaus Untergrößen anfallen, jedoch keine Übergrößen. Die Felder räumen sich schnell. Die Lagerkapazitäten reichen gut aus, um die Ernte aufzunehmen, die – soviel ist schon heute klar – kleiner ausfallen wird als im Vorjahr. In Zahlen ausgedrückt dürften mit schätzungsweise 260.000 t Sommerzwiebeln etwa 50.000 t weniger als 2001 eingebracht werden. Qualitativ treten bisher keinerlei Probleme auf. Bei voraussichtlich gutem Wetter wird die Ernte bis Mitte September abgeschlossen sein.

Dennoch besteht derzeit keine Hoffnung auf Erholung der Preise – vorerst zumindest nicht. Diese werden nämlich – unabhängig von einer guten oder schlechten Zwiebelernte in Deutschland – in den Niederlanden gemacht. Dort lagern noch reichlich unverkaufte Steckzwiebeln , die Platzierungsmöglichkeiten im Drittlandsexport suchen. Und das geht nur über den Preis, zumal sich die Hauptabnehmerländer wie Malaysia, Singapur, afrikanische und karibische Länder sowie osteuropäische Staaten derzeit noch mit Kaufinteresse zurückhalten. Derweil ist die Ernte der Sommersaatzwiebeln auch bei unseren westlichen Nachbarn in vollem Gange. Auf 14.000 ha reift eine Erntemenge von gut 800.000 t Rohware heran, deren Vermarktung sich entscheidend auf den deutschen Markt auswirken wird.

Ob einem das gefällt oder nicht, entscheidend für die Preisentwicklung sind die Chancen der Niederländer an Drittlandsmärkten. Daran ändert auch das wachsende Interesse des hiesigen Lebensmitteleinzelhandels an deutschen Speisezwiebeln nicht viel. Preislicher Gradmesser bleiben die Offerten aus dem Nachbarland, auch wenn man bereit ist für Inlandware ein paar Cent pro Kilo mehr anzulegen. Wohin allerdings in diesem Jahr die Reise letztendlich geht, steht noch in den Sternen.
 
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