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Keine Hektik!

Von Cäcilie Daus-Speicher, Wiesbaden

Ungewöhnlich früh konnte in diesem Herbst die Zwiebelernte eingebracht werden. Bereits am 20. September waren die Felder geräumt und die Knollen trocken und meist in sehr guter Qualität auf Lager oder bereits vermarktet. Ungewöhnlich früh und rege hat sich auch das Exportgeschäft von Bayern nach Italien und Ungarn entwickelt. Ein Teil der bayerischen Ernte nahm nicht, wie üblich, den Weg ins Lager, sondern direkt von der Sortier- und Abpackanlage auf den Lkw Richtung „Stiefel“ oder „Puszta“. Der flotte Exportabsatz sorgt dafür, dass Ende Oktober bereits die Hälfte der bayerischen Zwiebelernte vermarktet sein wird. Das gab es bisher noch nie.

Bundesweit ist mittlerweile bereits ein Drittel der Gesamternte an Sommersaatzwiebeln von rund 240.000 t vermarktet. Für die Marktversorgung aus heimischer Produktion und für Exporte stehen in den kommenden Monaten also noch 160.000 t zur Verfügung, die – sieht man vom Export ab – rein rechnerisch bei einem monatlichen Inlandsbedarf von 25.000 bis 30.000 t Speisezwiebeln bis März/April reichen. Ab Mitte/Ende Februar 2003 werden die ersten Überseezwiebeln eintreffen und das Angebot vergrößern, so dass sicherlich keine Versorgungsengpässe zu erwarten sind, wohl aber gute Absatzchancen.

Die Zeichen für einen durchaus akzeptablen Zwiebelmarkt stehen denn auch nicht schlecht. Hauptgrund für den Optimismus ist die europaweit kleinere Zwiebelernte. Die Niederlande als Haupterzeugerland der EU hatte im Frühsommer noch die Überschreitung der 1-Million-Tonnen-Marke für die Ernte 2002 prognostiziert. Nach einer Korrektur auf 870.000 t im August und 740.000 t im September, ging man Anfang Oktober von „nur“ noch 700.000 t aus, die die holländischen Lagerkapazitäten für Zwiebeln nicht füllen können. Vor diesem Hintergrund reagieren die niederländischen Erzeuger erst einmal zurückhaltend. Neben den traditionellen Drittlands8exporten nach Malaysia und Westafrika fließt innerhalb der EU derzeit nur noch Ware in skandinavische Länder. Der Schock will erst einmal verdaut werden. Hierzulande dürften die Holländer mit nennenswerten Mengen erst nach der Vermarktung der Inlandsproduktion ab April in Erscheinung treten, so dass man sich wenig in die Quere kommen muss.

Dennoch besteht kein Grund in Euphorie zu verfallen – da sind sowieso die Niederländer vor – aber in Hektik genauso wenig, auch wenn den Absatz starken Monaten September und Oktober von Mitte November bis Mitte Dezember das so genannte „Weihnachtsloch“ folgt. Danach erst wird sich zeigen, ob sich ein Preisschub nach oben am Markt durchsetzen lässt. Bis dahin gilt es, die derzeit noch peu à peu steigenden Preise ohne Hektik mitzunehmen und sich in Gelassenheit zu üben. Ein Abwärtstrend scheint aus heutiger Sicht wenig wahrscheinlich. So üppig sind bei uns die Läger denn doch nicht gefüllt.
 
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