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Keine Sorge

Von Cäcilie Daus-Speicher, Bad Kreuznach

Normalerweise atmen Zwiebelerzeuger und –vermarkter auf, wenn der 15. Dezember heranrückt und im Lebensmitteleinzelhandel die Geschäfte mit den heimischen Knollen nach der Vorweihnachtsflaute wieder Aufwind erfahren. Doch in diesem Vermarktungsjahr ist das anders. Einen regelrechten Einbruch in den Absatzzahlen hat es in der Zeit von Mitte November bis Mitte Dezember nicht gegeben, allenfalls eine kleine Delle, die allerdings vom Gesamtmarkt her betrachtet durch die guten Exportmöglichkeiten mehr als ausgeglichen wurde. So zeigen sich denn auch Erzeuger wie Vermarkter durchweg mit dem bisherigen Verlauf der Zwiebelvermarktung zufrieden. Aus heutiger Sicht gibt es auch keine Anhaltspunkte, die dieses positive Bild im 1. Quartal 2003 ins Gegenteil verkehren könnten, es sei denn, der Exportmarkt bricht völlig zusammen.

Doch davon sind wir weit entfernt. Kaufinteresse an europäischen Speisezwiebeln kommt aus vieler Herren Länder. Die Holländer bedienen Überseemärkte wie Malaysia, afrikanische Ländern, neuerdings auch Venezuela sowie Russland und erwarten auch nach einer dreiwöchigen Weihnachtspause weitere Aufträge aus diesen Regionen. Aber auch für deutsche Herkünfte besteht eine rege Auslandsnachfrage, wobei vorrangig Italien und südosteuropäische Länder wie Tschechien, Slowenien, Slowakei, Rumänien und Bulgarien als Käufer auftreten. Insofern ist und bleibt der Export die tragende Säule des Zwiebelmarktes.

Der Export sorgte auch neben dem kontinuierlichen Geschäft in den Herbst- und frühen Wintermonaten für einen überdurchschnittlichen Abbau der Lagerbestände. Die bisherigen Verkaufszahlen liegen um 10 bis 15 Prozent über den Absatzmengen der Vorjahre. Allenfalls 30 Prozent der Gesamternte liegen nur noch auf Halde und das Kalenderjahr ist noch nicht zu Ende. Natürlich gibt es regionale Unterschiede im Abverkauf, doch das ist normal. Die Anbauregion Südwest ist wie immer als Erste ausverkauft. Bayern, Niedersachsen und Mitteldeutschland sind auf die Einlagerung der Ware eingestellt und beliefern kontinuierlich ihre Stammkunden im In- und Ausland. Auch sie brauchen sich keine Sorge über die noch zu vermarktenden Bestände zu machen. Das drückt sich auch in der Preisentwicklung der vergangenen vier Wochen aus: Während der sonst üblichen Preisschwäche während der Weihnachtsflaute kletterten in diesem Jahr die Kurse sogar um 1,- bis 2,- EUR!

Das ist neu und ungewöhnlich und spricht eher für einen weiteren Anstieg der Preise in den ersten Wochen des neuen Jahres, auch wenn die Bäume nicht in den Himmel wachsen werden. Hochpreisige Märkte locken natürlich. Die nächste Überseeernte hat schon einen Großteil ihrer Wachstumsphase hinter sich und wird für Anfang März (Südafrika) bis Mitte März (Neuseeland/Tasmanien) hierzulande angekündigt. Dennoch oder gerade darum ist Besonnenheit angesagt, was vor allem für Südafrika, aber auch für Neuseeland – nach dem Desaster im Frühjahr 2002 – gilt. Gewinnen kann nur, wer beste Ware auf den mehrwöchigen Weg gen Europa schickt.
 
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