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Billig, billiger

Von Cäcilie Daus-Speicher, Wiesbaden

Spottbillig verhökern die großen Lebensmittelketten seit Wochen und Monaten Lebensmittel aus deutschen Landen frisch auf den Tisch. Auf-Teufel-komm-raus buhlen Lidl und Aldi um die Gunst der Verbraucherinnen und lehren die gesamte Branche das Fürchten. Der Preiskampf der beiden Discounter artet bei vielen Lieferanten mehr und mehr zu einem Kampf ums Überleben aus. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

Es geht längst nicht mehr „nur“ um die Preisführerschaft der mächtigen Lebensmittelketten untereinander, die „natürlich“ Aldi seit Jahrzehnten für sich beansprucht. Es geht auch und zunehmend um die gesamte vorgelagerte Kette, angefangen beim Erzeuger über den Erfasser zum Abpackbetrieb, betrachtet man das Geschehen produktbezogen auf die Speisekartoffel. Es ist auch keine Privatfehde, die die Herren Aldi und Lidl respektive Albrecht und Schwarz auf eigene Kosten austragen zum Nutzen der Verbraucherinnen – die zahlen nämlich ohne Murren 10 Cent mehr pro Kilo Kartoffeln, vorausgesetzt die Knollen sind geschmacklich und qualitativ gut und gesund erzeugt. Nein, es geht weniger um Firmenphilosophie und mehr um Prestige, das heißt um die alte immer wiederkehrende Frage von Rivalen: Wer ist Beste, Größte, Schönste, kurzum: Wer ist der Platzhirsch?

Bekanntlich tragen Hirsche die Kämpfe mit ihren Rivalen selbst aus und das Risiko alleine. Nicht so die Rivalen der Lebensmittelbranche. Sie lassen Kämpfe auf den vorgelagerten Stufen austragen, ohne Rücksicht auf Verluste. Ob die vorgelagerten Stufen mit den Spottpreisen, die Aldi, Lidl & Co vorgeben, überleben können oder nicht, spielt keine Rolle mehr. Es gibt offensichtlich keine Grenze mehr, weder die der Fairness noch der Scham, wenn man moralisch argumentieren will. Das unten stehende Preisbeispiel aus der Praxis dokumentiert dies anschaulich. Die Spottpreise der Discounter liegen demnach unterhalb der Kosten unter anderem für Handling, Verpackung, Fracht, Mehrwertsteuer, wobei die eigentlichen Rohstoffkosten noch überhaupt nicht berücksichtigt sind, die Erzeuger also ihr Erntegut zum Nulltarif zur Verfügung stellen müssten. Das nennt man gemeinhin Dumping und müsste von Rechts wegen geahndet werden. Doch nichts geschieht.

Verkehrte Welt und zugleich trügerische Welt, die jeglichen Wert ins wertlose verkehrt. Auch auf die Gefahr hin, dass es moralisch klingen mag: Diesem Werteverfall muss Einhalt geboten werden, mit aller Kraft und auf allen Ebenen. Oder brauchen wir für Inlandsprodukte eine Organisation wie Fairtrade, die bisher nur mit Produkten der Entwicklungsländer wie Kaffee, Tee oder Bananen handelt, um den Erzeugern einen Mindestpreis zu garantieren?
 
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