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Brigitte Stein

zum Verbrauchsrückgang

Namenlos

Aus Großbritannien kommen immer wieder wunderliche Kartoffel-Nachrichten. Kenner des deutschen Kartoffelmarktes können oft nur ungläubig den Kopf schütteln. Jüngster Anlass zum Wundern ist wohl die Vermarktung einer Sorte durch das große britische Kartoffelunternehmen Greenvale. Diese „Lady Balfour“ soll ausschließlich im Öko-Landbau verwendet werden! Und damit nicht genug, nein, diese Sorte bekommt auch noch eine eigene Verpackung, auf dass sie sich als Sorte ein Marken-Image zulege! Ein Ding der Unmöglichkeit – vom deutschen Markt aus betrachtet. Doch nach einer ersten Vermarktungssaison ist Greenvale mit dem Ergebnis äußerst zufrieden!

Solch eine Strategie zur Vermarktung einer Sorte würde in Deutschland kaum jemandem im Traume einfallen. Denn hier wird noch immer hart daran gearbeitet, den Verbrauchern zu erklären, dass man nicht mit jeder Kartoffel alle Kartoffelgerichte kochen kann. Woher soll er es denn auch wissen? Und wozu soll er es sich auch merken? In Deutschlands wohl bald beliebtester Einkaufsstätte gibt es ohnehin keine Auswahl. Hier heißt es nur „Kaufen“ oder „Nicht Kaufen“.

Dabei ist im Grunde dieses gleichgültige Umgehen mit einer Beilage nicht so ganz zwingend, wenn man sich das Nudel-Spektrum ansieht. Mindestens zwei verschiedene Formen sind in jedem Discounter im Angebot. In der Gastronomie sind die Gäste auch in der Lage zwischen Spaghetti, Fusili, Farfalle und Tagliatelle zu wählen. Kartoffeln hingegen sind einheitlich und ununterscheidbar – namenlos sozusagen.

Im vorigen Jahr lautete die Antwort am Kartoffelregal allzu oft „Nicht Kaufen“. Der Verbrauch ging schmerzhaft deutlich zurück – nicht nur im Supermarkt sondern auch in der Gastronomie und auch sonst überall, wo Kartoffeln in Deutschland verbraucht werden. Dies spiegelt sich auch in den Fachpublikationen der Gastronomie wider. Dort sind Kartoffeln in fast keiner Zubereitungsform mehr Thema. In der jüngste Ausgabe der Zeitschrift Food-Service halten beim Trend-Thema Snacks und Finger-Food lediglich Schne-Frost und McCain die Kartoffelfahne weiter hoch mit Kartoffeltaschen Asia, Rösti-Ecken mit Käse-Füllung und Nuggets. Geradezu perfide ist die von Simplot bei der Internorga vorgestellte Neuheit, die zwar die Form der guten Pommes frites imitiert, aber aus Mais hergestellt ist. Alle diese Neuerungen, die in Konkurrenz zur Kartoffel stehen, sie alle haben wohlklingende attraktive Namen, je nach Hersteller und Geschmacksrichtung. Für die Kartoffelsorten hingegen scheint keine Aussicht auf Besserung. Schade drum, denn da gibt es doch auch einige wohlklingende Namen.
 
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