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Cäcilie Daus-Speicher

zur Zwiebelvermarktung

Zähes Ringen

Mühsam gestaltet sich in diesem extremen Sommer auch die Erzeugung und Ernte von Speisezwiebeln. Seit Monaten sprühen Bewässerungsanlagen das kostbare Nass auf die Kulturen, damit keine Missernte eingefahren werden muss. Das verursacht nicht nur einen enormen Arbeitsaufwand für die Erzeuger, sondern auch höhere Betriebskosten für Wasser und Diesel zum Betreiben der Pumpen. Dass dieser Zusatzaufwand voll vom Markt honoriert werden wird, darauf hoffen die Landwirte. Doch sicher ist das keinesfalls.

Die aktuelle Preisentwicklung am Zwiebelmarkt verbuchte in den vergangenen 14 Tagen einen leichten Aufwärtstrend, obwohl in den meisten Anbauregionen die Erntearbeiten noch auf vollen Touren laufen. Dies könnte ein Indiz dafür sein, dass die Lebensmittelketten so langsam erkennen, dass die Ernte europaweit nicht sehr üppig ausfallen und man von daher auch kaum auf Alternativen zurückgreifen können wird. Doch so schnell, wie die Preise sinken, so schwer tut man sich mit Preiserhöhungen. Ein zähes Ringen um jeden Cent ist gerade im Gange, obwohl Experten die Mindererträge gegenüber normalen Jahren in Deutschland auf 20 bis 25 Prozent schätzen. Schon heute ist klar, dass die Lagerkapazitäten nicht gefüllt werden können. Klar ist auch, dass die Erzeuger ihre Zwiebeln verstärkt einlagern, zumal die Ware problemlos und in guter Qualität vom Feld kommt. Vermarktet werden derzeit noch die Restmengen an Steckzwiebeln und vor allem mittelfrühe Sorten, die nach einer Ruhephase den Platz im Lager freimachen müssen für die späten Sorten, die in diesem Jahr im Grunde gleichzeitig reif sind. Sobald diese Partien platziert sind, wird die preisentscheidende Frage sein, welche Mengen von den Landwirten für die Vermarktung zur Verfügung gestellt werden und welche vorerst auf Lager bleiben.

Natürlich bauen die Erzeuger auch auf ein höheres Preisniveau für ihre Speisezwiebeln, das sie für den zusätzlichen Kosten- und Zeitaufwand sowie die Mindererträge einigermaßen entschädigen könnte. Die Beregnungskosten schlagen in diesem Jahr nämlich besonders deutlich zu Buche. Die Zwiebelfelder wurden beispielsweise in Niedersachsen meist sechs- bis achtmal mit jeweils 25 mm/m² gewässert. Pro Beregnungsgang müssen an variablen Kosten für Wasser und Diesel fast 65,- €/ha veranschlagt werden, so dass je nach Bodenart und örtlichen Niederschlagsverhältnissen rund 400 bis 500 € zusammenkommen. Nicht berücksichtigt sind dabei die ganz normalen Abschreibungs- und Unterhaltungskosten sowie die Mehrarbeit. Bei einem geschätzten Durchschnittsertrag in Niedersachsen von knapp 40 t/ha vermarktungsfähiger Ware würden diese Zusatzkosten bereits mehr als einen Euro des Erzeugerpreises verschlingen. Bleibt zu hoffen, dass die Landwirte nicht auf ihren Kosten sitzen bleiben und ihre in diesem Jahr sehr mühsame Arbeit entlohnt wird.
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