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Jörg Foshag

zur Werbekampagne in Frankreich

Offensive

Die französischen Kartoffelerzeuger wehren sich. Angesichts der immer schärfer werdenden Konkurrenz durch Teigwaren, Reis und praktische Fertigprodukte sind sie entschlossen, ihren Markt durch Aufklärung und Werbekampagnen zu beeindrucken. Es geht nicht nur um den Verbraucher, sondern auch um die verschiedenen Handelsnetze, um Restaurants und Kantinen. Die Kartoffelwirtschaft Frankreichs ist bereits im vergangenen Jahr in die Offensive gegangen. Ein durchschlagender Erfolg ist ihr bisher dennoch versagt geblieben. Nach wie vor verliert die Kartoffelwirtschaft Marktanteile. Der Verbrauch geht weiter zurück.

Dabei hat es an Initiativen des Spitzenverbands Cnipt nicht gefehlt. Im Fernsehen sind bereits im vergangenen Spätjahr 135 Werbespots gelaufen, mit insgesamt drei Filmen. Mehr als 1,6 Mio. Rezepthefte für Kartoffelgerichte wurden über die Presse verteilt. Eine Reihe von Initiativen mit Verkaufsständen in Einzelhandelszentren wurden gestartet. Die Kartoffelwirtschaft tat sich mit einem Zweisterne-Koch zusammen, um während der Saison Interesse für die Kartoffeln zu wecken. Kartoffelerzeuger und Werber wissen sich dabei einig mit Empfehlungen des nationalen Ernährungsprogramms, das sich für Obst, Gemüse und langsame Kohlehydrate einsetzt. Die Information gegenüber der Presse wurde intensiviert. Gleichzeitig war die Kartoffelwirtschaft auf Messen wie dem „Salon international de l’hôtellerie et de la restauration“ vertreten. Das Cnipt hat überdies einen „Kartoffelführer“ für die Gaststättenbranche aufgelegt.

Doch das Ergebnis dieser Bemühungen entspricht nicht ganz den Erwartungen. Befragungen haben zwar ergeben, dass die Verbraucher den Realismus der Werbespots und ihre Originalität loben. In Erinnerung blieb jedoch nur ein vergleichsweise geringer Teil der Botschaft (17 Prozent). Dies war weniger als in der Nahrungsmittelwirtschaft gemeinhin üblich (25 Prozent). Mit anderen Worten, die Kartoffelwirtschaft hat einen schweren Stand. Der Trend der Zeit, der immer mehr zum Fertiggericht führt, ist ihr nicht günstig. Daran wird sich in nächster Zeit auch nicht viel ändern. Und das Kartoffelangebot wird im neuen Wirtschaftsjahr 2003/04 nur wenig geringer sein als in der vorangegangenen Kampagne. Die Anbauflächen waren in Frankreich um nur 1 Prozent niedriger als im Vorjahr. Die Hektarerträge sind durchaus vergleichbar. Denn rund 50 Prozent der Anbaufläche können bewässert werden. Überdies wurde ein Großteil der Anpflanzungen so früh vorgenommen, dass Hitze und Dürre keine gravierenden Schäden mehr hervorrufen konnten.

Vor diesem Hintergrund werden Kartoffelerzeuger und ihre Werber nach neuen Ideen suchen müssen. Mit Hochdruck wird denn auch zurzeit an Werbeinitiativen für das nächste Jahr gearbeitet. Die Flinte ins Korn werfen will niemand. Es ist ja auch nicht sicher, dass die Kartoffelerzeuger auf verlorenem Posten kämpfen. Aber es steht zu befürchten, dass ihr Produkt beim Verbraucher weiterhin einen schwächeren Stand haben wird als die mundgerechten Produkte, die in den Regalen des Handels immer weiter vordringen. Das bedeutet natürlich nicht, dass die Verkaufsanstrengungen umsonst sind. Die neue Offensive sollte aber nicht von übertriebenen Hoffnungen begleitet sein.
 
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