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Hermann Steffen

zum Pflanzkartoffelmarkt

Etwas eng

Im Herbstgeschäft mit Pflanzkartoffeln haben die Verladungen für das Inland begonnen. Ein genereller Engpass scheint nicht in Sicht zu sein, denn die Anerkennungsraten in den norddeutschen Erzeugungsgebieten waren überdurchschnittlich hoch und es gab nur wenige Beanstandungen wegen Virenbefalls. In den Säcken befinden sich zudem mehr Knollen als üblich, denn die Sortierung fällt in diesem Jahr kleiner aus. Etwas getrübt wird die Stimmung allerdings durch die süddeutsche Vermehrung, bei der von zweistelligen Aberkennungsraten gesprochen wird. Obwohl es sich abzeichnet, dass sich nicht jede spezielle oder noch junge Sorte im gewünschten Umfang beschaffen lassen wird, dürfte zumindest Frühkartoffel-Pflanzgut ausreichend zur Verfügung stehen, selbst wenn in diesem Segment und bei den Doppelnutzungssorten mit einer Anbauausdehnung gerechnet wird. Die Vermarktung ist weiter als in anderen Jahren vorangeschritten, und für bekannte Sorten im fest kochenden Bereich sollen die Verladungen von schweren Böden bereits im Herbst komplett abgeschlossen werden.

Möglicherweise könnte es mit der Verfügbarkeit doch etwas enger werden als angenommen. Der letzte Jahrhundertsommer brachte ein Problem ganz besonderer Art: Durch die große Hitze in den Dämmen und den Trockenheitsstress haben die Kartoffeln ein höheres physiologisches Alter erreicht und sind jetzt schon 14 Tage älter als normal. Zum Teil haben sie schon in den Lägern begonnen zu keimen. Obwohl die Witterung der letzten Tage gute Kühlmöglichkeiten bot und die Temperaturen in den Lagerstocks abgesenkt wurden, gibt es Befürchtungen, dass die Keimkraft für das Frühjahr gelitten haben könnte. Des Weiteren steht das Gros der Virentests bei den mittelfrühen und späten Sorten noch aus. Zwar erwartet man keine gravierenden Abweichungen gegenüber den frühen Sorten, schließt aber speziell für den süddeutschen Raum negative Überraschungen keinesfalls aus.

Auch wenn sich vermutlich einzelne Engpässe durch eine andere Kalibrierung mit Übergrößen und Drillingen ausgleichen lassen, alle Löcher werden nicht zu stopfen sein. So ist nach der Rücknahme der Vermehrungsflächen bei Stärke- und Industriekartoffeln nach übereinstimmenden Aussagen eine Unterversorgung absehbar. Da der Landwirtschaft für diesen Bereich trotz mehrjähriger Lieferverträge kaum ausreichend Pflanzgut zur Verfügung stehen dürfte, wird ein Teil der Erzeuger vermutlich auf eigenen Nachbau ausweichen. Ein Problem, das für den Speisebereich in diesem Jahr weit weniger aktuell werden dürfte, denn bei den guten Marktaussichten für Speiseware sollten die moderaten Preisanhebungen der Züchter von im Schnitt 2,- bis 3,- EUR/100 kg kein Grund sein, auf eigenes Pflanzgut zurückzugreifen und mögliche phytosanitäre Probleme in Kauf zu nehmen.
 
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