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Brigitte Stein

zur Marktpflege

Bärendienst

Nun liegt auch für Großbritannien eine Ernteschätzung vor und sie passt so schön ins Bild des restlichen Europas. Denn auch die Briten ernten 13 Prozent weniger. Damit fällt die Erntemenge der fünf größten Kartoffelerzeugerländer der EU um 14 Prozent kleiner aus als im vorigen Jahr. Die Preise entwickeln sich erfreulich.

Diese Marktlage ist aber fast eher dem Zufall – oder auch dem Wetter – zu verdanken. Lediglich die britischen Landwirte haben sich durch Flächeneinschränkungen das kleinere Angebot – und die höheren Preise – wahrhaft verdient. Nach Einschätzung der britischen Branchenorganisation BPC haben sie die Flächen marktgerecht zurückgefahren und können davon ausgehen, dass nur geringfügige Importe notwendig sein werden. Erst im Frühjahr sind Importe aus dem Mittelmeerraum vorgesehen. Vor Spekulationen mit den Kartoffeln warnt das BPC ausdrücklich.

Diese Überlegungen sollten sich jetzt alle in Ruhe durch den Kopf gehen lassen, die jetzt auf hohe Preise und steigende Preise im Frühjahr und noch bessere Preise in der späteren Saison setzen. Denn eigentlich gab es im vorigen Jahr viel zu viele Kartoffeln und in diesem Jahr eben weniger als „viel zu viele“. Schon bei der Herbstbörse wies Christoph Hambloch von der ZMP darauf hin, dass es bei sparsamem Verbrauch wirklich genug Kartoffeln gibt.

Sparsam und immer sparsamer gehen auch die Verbraucher mit den Kartoffeln um. Das ist ja auch kein Wunder. Denn der Kartoffelkauf ist bald nur noch was für wirklich hartgesottene Gemüter. Das Angebot im Lebensmitteleinzelhandel sieht mitunter aus, als müssten die letzten Kartoffeln zusammengekratzt werden, um die Regale zu füllen. Doch gibt es auch Beutel, die sehen äußerlich adrett aus, doch nach der ersten Mahlzeit reichen die Reste in dem Beutel noch über Wochen, so unangenehm bleibt der merkwürdige Beigeschmack in Erinnerung. Anspruchsvolle Käufer greifen dann lieber zu Nudeln, Pizza oder Trendmenüs aus der Tiefkühltheke.

Da ist es doch schade, dass viele schöne und leckere Kartoffeln aufgehoben und zurückgehalten werden in der Hoffnung auf bessere Preise. Ein heute verärgerter Kartoffelkäufer wird in zwei Monaten nicht mehr Geld für ungewisse Einkäufe anlegen wollen. Kartoffeln sind nun einmal keine Lagerware, die man in Ruhe lange genug aufheben kann, bis die Preise den eigenen Träumen entsprechen. Das weiß leider auch der Lebensmitteleinzelhandel und erweist mit seinem Preisschacher dem Kartoffelverbrauch einen Bärendienst.
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