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Dietrich Baumann

auf Beregnungsspuren

Viel hilft viel

Ohne Wasser, merkt Euch das, wär’ die Welt ein leeres Fass. – „Wie wahr,“ sagt Dr. Ludwig Hill von der Dr. Hill, Reinke & Benter GbR im ostvorpommerschen Bönitz. Auf den Feldern der GbR wachsen zwar auch ohne künstliche Beregnung ordentlich Knollen heran, aber wenn sich die Sache rechnen soll, dann müssen Petrus’ Ergüsse durch Zusatzregen ergänzt werden. Im extrem trockenen Sommer 2003 kamen von den kargen Böden der GbR bei Beregnung bis zu 640 dt verkaufte Ware vom Hektar. Ohne Beregnung standen deutlich niedrigere Mengen zu Buche. Die GbR in Sichtweite der Ostsee wird im kommenden Jahr ihre beregnete Fläche deutlich strecken. Sie baut auf die Knolle. Mit dem Getreide ist kein großer Blumentopf zu gewinnen bei Bodenwertzahlen um 28. Die Kartoffeln bringen ihr Geld, sagt Hill. Auch wenn damit die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Alternativen gibt es freilich nicht. Mehr als 40 t/ha müssen geerntet werden, wenn sich die Sache überhaupt lohnen soll. Das Ziel sind 70 bis 80 t/ha. Das ist nur mit Zusatzregen zu erreichen. Und der wird bis zur Ernte 2004 installiert, da ist sich Hill ganz sicher. Die Majorität der Knollen, sie tragen vorwiegend die Namen Karlena und Bintje, geht in die Veredlung, kleinere Teile wandern zur Stärkefabrik und in die Abpackung.

Hinter der Veredlung steht die Erzeugergemeinschaft (EZG) Qualitätskartoffeln Vorpommern. Sie kümmert sich vom Pflanzgut, welches von den Züchterhäusern zu einem Modellpreis erworben wird, bis zum Absatz der Kartoffeln auf vertraglicher Basis an die Firma Pfanni in Stavenhagen. Die EZG bündelt die Aktivitäten von 21 Kartoffelanbauern in Demmin, Ostvorpommern, Rügen und dem Müritzkreis. Es sind gestandene Produzenten, die der Knolle auch nach den dramatischen Einbrüchen der Wendezeit die Treue hielten. Die EZG steuert das ganze System. Sie kümmert sich um die Feldkontrollen, sorgt sich um die Führung der Schlagkarteien, kontrolliert die Stärkegehalte und macht die Verträge mit Pfanni. Die beginnen mit der Sortenwahl – Karlena ist der Knüller –,setzen sich fort mit den strengen Qualitätskriterien und mit den Modalitäten der Anlieferung und enden mit dem Preis. Die Betriebe erhalten einen Poolpreis, in den die verschiedensten Kriterien einfließen, von der Qualität bis zum Lieferzeitpunkt. Mit dem Preis lässt sich leben, sagt Hill. Die sichere Abnahme der Vertragsware und der Preis sind das eine, betont der erfahrene Landwirt, die Solidarität zwischen den Betrieben der EZG sei das andere. So stimmt man sich gegenseitig ab und hilft einander, wenn der andere mal nicht gerade zum gewünschten Termin liefern kann oder nicht in der von Pfanni erforderten Menge oder wenn es gar bei einem Partner an Knollen fehlt. Es herrscht ein gutes Klima in der EZG, bestätigt auch Geschäftsführer, Dr. Hans-R. Kröchert. Immer mehr Betriebe klopften an die Tür, um mitzumachen, aber die Absatzmöglichkeiten seien nun mal begrenzt. In diesem Jahr wird sich das Volumen auf 50.000.t Veredelungsware belaufen. Fordere Stavenhagen mehr Ware an, dann könne die auch noch aus den eigenen Reihen kommen. Dank der wachsenden Bewässerungskapazität. Denn: Ohne Wasser, merkt Euch das ...
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