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Horst Hermannsen

zu Verbrauchertrends

Beiderlei Nutzen

Das Image der Speisekartoffeln ist bei den meisten Verbrauchern – insbesondere bei älteren Personen – noch gut. Die jüngeren Zielgruppen sind dagegen leichter für die Verarbeitungsprodukte zu gewinnen. Dennoch ist der Kartoffelanbau in der Bundesrepublik seit Jahren rückläufig. Bei den Ernten ist im Zehnjahresvergleich ein Rückgang um mehr als 20 Prozent eingetreten. Hier ist der Marktanteil Bayerns von knapp 20 Prozent im Jahr 1993 auf inzwischen nur noch gut 15 Prozent zurückgegangen. Die diesjährigen Ernteausfälle, so jedenfalls meinte Falk Welzel von der CMA, Bonn, während der Woche bayerischer Erzeugergemeinschaften in Herrsching, spiele dabei sicherlich eine besondere Rolle.

Gleichzeitig stellte Welzel eine steigende Einfuhr an Kartoffelzubereitungen fest. Für die Landwirte ist es dennoch ein Glücksfall, dass die Verarbeitung von Kartoffeln stark an Bedeutung gewonnen hat. Übrigens sind die stärksten Zuwächse bei Tiefkühlprodukten festzustellen. Ohne diesen Einsatz als Rohstoff für Verarbeitungsprodukte wäre der Kartoffelanbau noch stärker eingeschränkt worden.

Auf der Nachfrageseite ist mit einem rückläufigen Pro-Kopf-Verbrauch von Kartoffeln eine negative Entwicklung zu beobachten. So ist der Konsum an frischen Knollen in zehn Jahren um sieben Kilogramm pro Kopf und Jahr gesunken. Der Verbrauch von Veredelungsprodukten ist im gleichen Zeitraum noch um rund zwei Kilogramm angestiegen. Welzel erwartet, dass in Kürze mehr Kartoffeln im Verarbeitungsbereich eingesetzt als frische verzehrt werden.

Am Inlandsverbrauch von gefrorenen und gekühlten Kartoffeln – beide weisen hohe Zuwachsraten auf – beträgt der Importanteil bereits 50 Prozent. Hier geht der Rohstoffeinsatz aus deutschen Kartoffeln in geradezu dramatischer Weise verloren. Dies mag auch eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Verarbeitungsindustrie sein.

Falk Welzel befürchtet einen weiter rückläufigen Verzehr von frischen Speisekartoffeln. Die Megatrends der vergangenen Jahre, Convenience und Fast Food, erfassen immer breitere Bevölkerungskreise und werden sich verstärken. Die Verarbeitungsindustrie wird die Imageschwächen der bisherigen Produkte in Richtung bewusste Ernährung durch veränderte Zutaten, vor allem gesündere Fette wie Olivenöl korrigieren. Die deutsche Landwirtschaft wiederum muss an der Erhaltung und Stärkung einer heimischen Verarbeitungsindustrie interessiert sein und mittels Vertragsanbau ein partnerschaftliches Verhältnis anstreben.
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