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Cäcilie Daus-Speicher

zur Keimstimmung

Unsicherheit

Ungewöhnlich früh neigen die Kartoffeln in diesem Jahr zum Auskeimen. Offensichtlich ist dies eine Folge des ungewöhnlichen Sommers mit fast tropischen Temperaturen über Wochen, der die Böden regelrecht aufheizte. Auch auf dem Lager waren die Bedingungen bisher alles andere als optimal. Das warme Herbstwetter mit milden Nächten sorgte bei den mit Außenluft gekühlten Kartoffellägern nicht für die erwünschten Kühltemperaturen von 4 bis 5 °C. Die Folge: Der physiologische Alterungsprozess – so die Meinung der Experten – sei für die Jahreszeit deutlich weiter vorangeschritten, als in anderen Jahren. Besonders die mittelfrühen Sorten neigen daher schon jetzt zu Keimaustrieb. Auch wenn momentan die kühlen Nachttemperaturen etwas zur Beruhigung beitragen, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein bereits begonnener Keimprozess sich kaum noch stoppen, allenfalls verlangsamen lässt. Die momentan deutlich gestiegene Andienungsfreude der Kartoffelerzeuger dürfte eine Folge dieser Tatsache sein. Und das mit Recht.

Lieber sich bei Zeiten von anfälligen und unruhigen Partien trennen, selbst bei preislichem Entgegenkommen, als der Hoffnung zu frönen, dass eine kalte oder frostige Witterung dem Keimen ein Ende bereitet. Dies um so mehr, als das Wetter reinste Kapriolen schlägt und im Grunde keine sicheren Prognosen mehr erlaubt. Und in der Tat treibt diese Unsicherheit die Lagerhalter derzeit um.

In den vergangenen Jahren konnten mit einer ordentlichen Kühlung unbehandelte Speisekartoffeln durchaus bis weit in den März hinein gelagert und vermarktet werden. Um dies für die späten Sorten einigermaßen gewährleisten zu können, wäre es allerdings Zeit, dass endlich winterliche Temperaturen Einzug hielten. Selbst dann bleibt die Ungewissheit, wie die Knollen mit dieser Präposition zum vorzeitigen Auskeimen auf frühlingshafte Temperaturen etwa im Februar reagieren.

Diese Unsicherheit lässt in diesem Vermarktungsjahr sicherlich den einen oder anderen Lagerhalter eher zur Behandlung mit keimhemmenden Mitteln greifen, um das Risiko zu begrenzen. Wie lange dies allerdings möglich sein wird, steht noch in Frage, weil von Seiten der Administration Hinweise auf gesundheitliche Risiken für die Anwender auf Grund eines Trägerstoffes aufgetreten sind. Mitte dieser Woche soll die Bundesanstalt für Lebensmittelrecht und Verbraucherschutz zu dieser Frage Stellung beziehen. Vor allem für die Verarbeitungsbetriebe, die wegen der Verzuckerungsgefahr die Knollen nur bedingt kühlen können und im Grunde auf die Keimhemmungsmittel angewiesen sind, wird die Stellungnahme dieser Bundesbehörde mit Spannung erwartet.
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