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Brigitte Stein

zu Qualitätsinitiativen

Machtfragen

Kurz vor Weihnachten und dem Jahreswechsel herrscht üblicherweise ein gewisses Streben nach Harmonie. Gerne möchte man der Zukunft optimistisch entgegensehen können. In der Kartoffelbranche schien bereits beim Kartoffelhandelstag Ende November ein gutes Ende zum Thema Qualitätssicherung in Sicht.

Sicher, zuvor war die Lage durchaus kompliziert geschildert worden mit horizontaler Qualitätssicherung, die nur eine Prozessstufe beobachtet (BRC, IFS, Eurepgap), und vertikaler Qualitätssicherung, die „from farm to fork“ – vom Acker bis zum Teller – ein Produkt begleitet. Dr. Carolin Kollowa zeigte anschaulich: Die gesamten horizontalen Systeme stehen nahezu berührungslos nebeneinander.

Doch schloss sie ihren Vortrag mit einem Hoffnungsschimmer. Eine gegenseitige Akzeptanz und gegenseitige Ergänzung wäre möglich. Doppelarbeit könnte vermieden werden, wenn es zu gegenseitiger Anerkennung komme. QS als einzigem vertikalem Qualitätssicherungssystem könnte in dieser Vielfalt eine integrierende Rolle zukommen, indem alle vertikalen Systeme anerkannt und hintereinander geschaltet werden könnten. Obendrein schilderten Praktiker durchaus positive Erfahrungen mit Eurepgap und IFS und Oliver Weidner von der Qualität und Sicherheit GmbH rückte den Start für das QS-System „Kartoffeln“ in greifbare Nähe. Das gab schon einen harmonischen Eindruck.

Weit weniger harmonisch sind die jüngsten Berichte der Lebensmittelzeitung (LZ) über die Qualitätssicherungsgespräche in anderen Branchen. Zwischen Handel und Herstellern ist es in Sachen IFS zu Zwistigkeiten gekommen. Die Lebensmittelverarbeiter scheinen nicht so ganz bereitwillig jede Forderung erfüllen zu wollen. Zum einen lehnen sie eine Chargengenaue betriebsinterne Rückverfolgbarkeit ab. Zum anderen fürchten sie eine zu große Transparenz, wenn zu viele Details aus ihrer Produktion über ein elektronisches Informationsportal dem Einzelhandel zugänglich sind. In diesem Internetportal sollen nicht nur sämtliche Ergebnisse der 300 IFS-Prüfpunkte, sondern auch der Maßnahmenkatalog für Nachbesserungen einsehbar sein. Immerhin muss der Hersteller zustimmen, bevor der Handel Einsicht nehmen kann. Doch ist das ein schwacher Trost. Wer wird es schon wagen, den Einblick zu verwehren?

Zudem haben sich anscheinend zwischen der britischen Insel und dem Festland schwere „interkulturelle Unterschiede“ aufgetan. Noch „Jahre“ könne eine Einigung zwischen BRC und IFS dauern, vermutet der IFS-Verantwortliche beim Hauptverband des deutschen Einzelhandels (HDE), Stephan Tromp. Das sind ja schöne Aussichten für alle, die in beide Hoheitsgebiete liefern wollen!

Alle diese Vorgänge zeigen, dass es weniger um die Qualität der Produkte als um Machtfragen in der Handelskette geht. Da heißt es, dem QS Kartoffeln viel Optimismus und Glück zu wünschen beim Einbinden des Lebensmitteleinzelhandels. Am Schluss sollten nicht nur Pflichten für die Lieferanten, sondern auch bessere Kartoffeln für die Verbraucher das Ergebnis sein.
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