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Cäcilie Daus-Speicher

zu Importzwiebeln

Stolze Forderungen

Die Akteure am Speisezwiebelmarkt sondieren derzeit die Lage. Dies ist kein leichtes Unterfangen, da die Einschätzung der zu erwartenden Überseeimporte aus Südafrika, dem australischen Raum und Südamerika nur schwer zu quantifizieren sind. Und dennoch: Die neuerntigen Zwiebeln stehen in der südlichen Hemisphäre kurz vor der Ernte und damit schon fast vor unserer Haustür. Die ersten Lieferungen aus Südafrika sind bereits für die zweite Februarwoche angekündigt, wenngleich dann noch keine nennenswerten Mengen und keine stabilen Qualitäten erwartet werden dürfen.

Die Vorräte an alterntiger Inlandsware sind selbst in den Kühllägern bereits stark geschrumpft und dürften allenfalls bis Ende Februar die Selbstversorgung sichern. Die holländischen Anbieter halten sich hierzulande mit Offerten zurück und agieren nicht preisaggressiv. Sie dürften in Russland, Malaysia und Afrika ihre Absatzmärkte finden. Österreichische Zwiebeln waren in den vergangenen Wochen gut nachgefragt, insbesondere die größeren Kaliber, sodass dort die Bestände frühzeitig geräumt sein werden.

Vor diesem Hintergrund schätzen die Importeure den Markt für neuerntige Überseeware recht Erfolg versprechend ein und erhoffen sich den Markteinstieg auf hohem Niveau. Ob sich allerdings die – wie es in der Branche heißt – horrenden Preisvorstellungen neuseeländischer Exporteure von 50,- EUR/dt cif Rotterdam verwirklichen lassen, hängt zum einen davon ab, wie hungrig die hiesigen Märkte sind. Daneben werden die Mengen, die tatsächlich den Weg nach Europa suchen werden, preisentscheidend wirken. Aus Südafrika werden wie jedes Jahr 10±000 t angekündigt, wobei die tatsächlichen Ankünfte je nach Jahr zwischen 2±000 t und – wie 2003 – 20.000 t schwanken können. Neuseeland kündigt ein Exportvolumen von 135.000 t an, das allerdings auch für die Märkte in Malaysia, Südkorea und Japan herangezogen werden kann. Im vergangenen Jahr fand im asiatischen Raum überraschenderweise gut jede fünfte Knolle ihren Absatz. Mit welchen Mengen aus Südamerika gerechnet werden muss, ist noch völlig offen.

Fest steht allerdings, dass bereits jetzt ein reges Interesse der Lebensmittelketten an der neuen Überseeware bekundet wird. Wie weit sie allerdings den stolzen Forderungen der Lieferländer folgen und Einstandspreise auf Vorjahreshöhe akzeptieren werden, ist angesichts des günstigen US-Dollarkurses und der deutlich niedrigeren Frachtkosten derzeit noch fraglich. Zu Vorkontrakten ist jedenfalls niemand bereit.
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