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Horst Hermannsen

zur aktuellen Marktsituation

Umbruch

Früher als sonst üblich befindet sich der Markt für Speisekartoffeln in einer Phase des Umbruchs. Die Vorräte aus der Herbsternte sind arg geschrumpft und dürften in Kürze geräumt sein. Schon heute ist das Angebot an qualitativ guter Ware auffallend begrenzt. Nach Auskunft einiger Abpackbetriebe müssen bereits rund 20 Prozent der zugekauften Partien wegen erheblicher Mängel gestoßen werden. Wenn aber wirklich Prämienware, die vornehmlich kistengelagert ist, angeboten wird, dann werden die höheren Forderungen in aller Regel auch akzeptiert. Häufig, so jedenfalls ist immer wieder aus Kreisen der Landwirtschaft zu hören, würden die Preise jedoch heruntergeredet. Wer wirklich gute Partien noch auf Lager habe, der bekomme dafür auch einen akzeptablen Erlös. Auffallend ist in diesem Zusammenhang auch der Umstand, dass an den Terminmärkten die Notierungen für April/Mai fester gelaufen sind. Dennoch ist im Kassageschäft eine gewisse Schwächeneigung unverkennbar, zumal die Nachfrage keinerlei belebende Impulse erkennen lässt. Topqualitäten werden zu stabilen Forderungen regional aus Frankreich angeboten.

Die noch vor wenigen Wochen prophezeite „Angebotsschwemme“ an importierten Speisefrühkartoffeln aus mediterranem Anbau blieb indes bislang aus. Zwar werden schon seit geraumer Zeit nennenswerte Mengen aus Ägypten, Marokko, Israel und mittlerweile auch wieder aus Zypern offeriert. Eine wirklich überragende Marktbedeutung im Lebensmitteleinzelhandel haben die frühen Importe bislang aber noch nicht erreicht. Lediglich die Discounter fahren seit etwa 14 Tagen vermehrt zweigleisig.

Tatsache ist allerdings auch, dass die importierten Speisefrühkartoffeln meist deutlich teurer angeboten werden als vor Jahresfrist. Es zeigt sich einmal mehr, dass die Forderungen für Importware stark mit den Notierungen für alterntige Partien korrespondieren. Trotz der seit Wochen anhaltenden schwachen Grundtendenz sind die Kartoffelpreise aus heimischer Erzeugung noch immer attraktiver als vor Jahresfrist.

Das Pflanzkartoffelgeschäft ist lebhaft angelaufen. In Bayern zum Beispiel sind die Bestände an Stärkesorten bereits restlos geräumt. Man ist auf übergebietliche Zukäufe etwa aus Niedersachsen angewiesen. Auch bei den Veredelungs- und Speisesorten ist das nur begrenzt verfügbare Angebot weitgehend verkauft. Die Käufer sehen sich gezwungen, bei den Qualitäten Zugeständnisse zu machen. Angesichts der Markt- und Preisentwicklung seit dem vorigen Herbst vertreten Marktbeobachter die Meinung, dass die Kartoffelanbaufläche insgesamt in Deutschland nicht ausgeweitet werden sollte. Schließlich habe die vergleichsweise geringe Ernte 2003 keineswegs zu der erwarteten Hausse am Kartoffelmarkt geführt.
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