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Sylvia von Hahn

zur Direktvermarktung

Standortfrage

In Baden-Württemberg nimmt die Zahl der Bauernläden und -märkte zu, so der Genossenschafts-Verbandsdirektor Dr. Franz Honickel. In der Tat hat Anfang April in Neckarsulm ein Bauernmarkt mit immerhin nahezu 20 Beschickern neu eröffnet. Die Angebote bestehen vorwiegend aus Produkten regionaler bäuerlicher Erzeugung, doch nicht ausschließlich. Walter Kress, der Organisator des Bauernmarkts in Neckarsulm, sieht den Erfolg des Marktes erst dann als gegeben an, wenn ein erweitertes Angebot genügend Käufer an die Stände zieht. Ein Angebot übrigens, das den gehobenen Ansprüchen der Verbraucher genügen soll. Deshalb stammen viele der angebotenen Produkte entweder aus Betrieben, die nach den Öko-Richtlinien der entsprechenden Anbauverbände arbeiten, oder sie weisen das neue Qualitätszeichen des Landes Baden-Württemberg für integriert hergestellte Erzeugnisse auf.

Ergänzt wird das regionale Angebot durch Waren aus ferneren Regionen, etwa Käse, Olivenöl und Wein. Der Erfolg dieser Initiative dürfte durch die Tatsache positiv beeinflusst werden, dass es immer weniger Lebensmittelgeschäfte in der Innenstadt von Neckarsulm gibt. Insbesondere die Discounter sind längst ins Umland abgewandert. Andernorts zeigen sich im Bereich der Hofläden und Bauernmärkte sehr unterschiedliche Bilder. In Ravensburg meldet der Bauernmarkt ebenfalls Zuwächse, wobei das vermehrte Angebot an Halbfertig- und Fertigprodukten zu dieser Steigerung maßgeblich beiträgt.

Doch in der benachbarten Stadt Weingarten wurde Ende vergangenen Jahres eine Bauernmarkthalle geschlossen. Der Standort lag rund 100 Meter von der Haupteinkaufsstraße entfernt, in der das Lebensmittelangebot relativ reichhaltig ist. Da akzeptierten die Verbraucher den kleinen Umweg nicht in genügender Zahl. Auch in Stuttgart war der Bauernmarkthalle bisher allenfalls ein mäßiger Erfolg beschieden. Dies liegt vermutlich vor allem daran, dass in der Stadt der klassische Lebensmitteleinzelhandel noch gut vertreten und auch das Angebot an Öko-Waren reichhaltig ist. Während einerseits bei Hofläden wie bei Bauernmärkten mit mehreren Beschickern ein Trend hin zur teureren teilverarbeiteten Waren beobachtet wird, zeigt sich andererseits bei einzelnen Anbietern eine Entwicklung weg vom reichhaltigen Sortiment hin zu einem gehobenen speziellen Warenangebot. Daraus folgt: Erfolg oder Misserfolg von Hofläden und Bauernmärkten lassen sich offenbar nur sehr schwer prognostizieren. Sicher ist lediglich, dass solche Absatzwege marketingmäßig gut vorbereitet und werblich überlegt begleitet werden müssen.

In Baden-Württemberg dürften nur weniger als 5 Prozent der kartoffelanbauenden Betriebe einen Hofladen betreiben. Ein deutlich anderes Bild zeigt sich, wenn der reine Kartoffelverkauf ab Hof an Wochenmarktbeschicker oder Endverbraucher betrachtet wird. Für den Südwesten geht man von etwa 80 Prozent der Kartoffelbetriebe aus, die ihre Knollen so und nicht über den Kartoffelgroßhandel verkaufen und dabei unterschiedliche Mengen absetzen. Nach einer groben Schätzung dürfte es sich immerhin um gut 50 Prozent der Kartoffelanbaufläche handeln, deren Ernte so vertrieben wird. Ob sich der hierfür eingesetzte Aufwand immer rechnet, bleibt allerdings fraglich.
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