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Daphne Huber-Wagner

zu Acrylamid

Testergebnisse

Seit nunmehr 18 Jahren erscheint monatlich das Öko-Test-Magazin. Längst hat sich das Blatt von seinem Müsli-Image befreit und sich mit seinen ausführlichen Lebensmitteltests zu einer ernst zu nehmenden Informationslektüre für Verbraucher entwickelt. Auch die Lebensmittel verarbeitende Industrie horcht mittlerweile auf, wenn schlechte Testergebnisse in Lebensmitteln vorab schon über Funk und Fernsehen verbreitet werden. Schließlich können solche Negativ-Schlagzeilen die Verkaufszahlen von heute auf morgen drastisch senken. In vielen Fällen regelt meist die Zeit solche Absatzprobleme, denn der Verbraucher vergisst die Schreckensmeldungen über bestimmte Schadstoffe in Lebensmitteln und fällt wieder in alte Verzehrgewohnheiten zurück. Bis dann eben wieder von Öko-Test, meist nach einer angemessenen Pause, bei eben denselben Produkten nachgetestet wird.

Im April-Heft wurden nun die vor etwa zwei Jahren stark in Verruf gekommenen Pommes frites auf ihren Gehalt an Acrylamid getestet. Vorab die gute Nachricht: Immerhin konnte bei drei Backofen-Pommes die Bestnote „Sehr gut“ vergeben werden. Bei diesen Pommes frites lässt sich Acrylamid nur noch in Spuren messen, vorausgesetzt jedoch, es wird die empfohlene Backtemperatur von maximal 200 °C eingehalten. Im Vergleich zu früheren Öko-Tests ist die Belastung mit Acrylamid bei vielen Tiefkühl-Pommes um ein Vielfaches zurückgegangen. Die niedrigeren Werte sind auch nicht nur auf die richtige Backofentemperatur zurückzuführen. Untersuchungen haben ergeben, dass niedrigere Acrylamidwerte auch mit zuckerärmeren Kartoffelsorten und durch größere Kartoffeln – wegen der anderen Stärkeverteilung – erreicht werden können.

Das schweizerische Bundesamt für Gesundheit hat dazu ein Pilotprojekt Pommes frites gestartet. 4.000 Gastronomiebetriebe werden darin geschult, wie sie ihre Fritten ohne Qualitätseinbußen bezüglich des Acrylamidgehalts verbessern können. Zudem haben sie die Möglichkeit, Proben zur Analyse an das Kantonale Labor Zürich zu schicken.

Das Vertrauen der Verbraucher kann durch solche Aktionen nachhaltig verbessert werden. Schließlich wird ihm hier deutlich, dass sowohl Züchter als auch Frittenhersteller oder Gastronomiebetriebe sehr wohl daran interessiert sind, Acrylamid vom Tisch zu bekommen.

Die Ansichten der Wissenschaftler über die Bewertung gehen indes auseinander. Die einen sehen keine Bestätigung für ein erhöhtes Krebsrisiko durch Acrylamid. Die anderen warnen entschieden davor, den Stoff zu verharmlosen und empfehlen, möglichst wenig Acrylamid mit der normalen Ernährung aufzunehmen. Zusammen mit Verbraucherverbänden plädieren sie sogar für eine Angabe des Acrylamidgehalts auf den Packungen von Pommes frites, Chips und anderen Produkten. Mit Sicherheit werden sich die nächsten Testergebnisse von industriell hergestellten Lebensmitteln an den Packungshinweisen orientieren und Bemühungen um eine weitere Reduzierung belohnen. Hier steht nicht nur Öko-Test seinen Lesern gegenüber in der Pflicht.
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