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Dietrich Baumann

zu Dienstleistungen

Das Ziel zählt

Wie viel Hektar Kartoffeln müsste ein Landwirt anbauen, um einen Dienstleister mit den wichtigsten Arbeiten, wie Pflanzbettvorbereitung, Pflanzen und Roden, zu beauftragen? Schlechte Frage, sagt der Experte. Entscheidend sei die Gegenfrage: Wie kann ich höchste Qualität zu optimalen Stück-Kosten erzielen? Denn hier liege das Problem. Kartoffeln lassen sich nur gewinnbringend verkaufen, wenn sie von bester Güte sind. Dann kann man mit der aufnehmenden Hand, bei Speisekartoffeln ist das zunächst der Abpacker, auch über einen Preis reden, mit dem beide Seiten leben können und auch der Großhandel und letztlich der Verbraucher.

Vom Dienstleister wird gefordert, dass er den möglichst letzten Stand der Technik sein eigen nennt. Die ist teuer, auch im Kartoffelbau. Deshalb muss er sie optimal nutzen. Da spielt es keine Rolle, ob der Leistungsnehmer 10 ha oder 100 ha Acker für seinen Knollenanbau vorsieht, wobei es sich natürlich auf den größeren Flächen effektiver wirtschaften lässt. Kaum eine Rolle spielt es auch, ob der Dienstleister eine Person ist, oder eine Personengruppe. Es geht um die Sache, um die intelligente Lösung des Problems. Der einzelne Landwirt kann in den seltensten Fällen ein Siebgerät zum Entsteinen des Feldes, einen Dammpflug oder den mehrreihigen Roder im eigenen Betrieb auslasten. Von den Anschaffungskosten gar nicht zu reden.

Im mittelsächsischen Raum bietet ein Landwirt seit den neunziger Jahren Dienstleistungen in Sachen Kartoffelbau an. Am Anfang stand das konventionelle Pflanzen und Roden. Jetzt wird auch die komplette Separierung, also das Sieben der Böden vor dem Legen, angeboten. Das ist der Grundstein für eine hohe Leistung des Rodeaggregates und, dank dem Entfernen der Steine, für eine hohe Qualität des Erntegutes. Wurden zum Start 100 ha Anbaufläche mit dem Damm-Pflug und einem Siebgerät in Dienstleistung vorbereitet, so sind es in diesem Jahr schon 340 ha. Die werden auch in Dienstleistung bepflanzt und gerodet. Dank der (fast) steinfreien Böden können zur Ernte Roder eingesetzt werden, die über keine aufwändige (teure) Technik zum Entfernen der Beimengungen verfügen.

Einige Landwirte lassen ihre gesamte Fläche in Dienstleistung bewirtschaften, andere nehmen diese Arbeiten auf Teilflächen oder in Teilleistungen in Anspruch. Zur modernen Technik kommt als weiterer Vorteil, dass die Traktoristen die Spezialmaschinen aus dem Effeff beherrschen, weil sie damit über längere Zeit und alle Jahre wieder vertraut sind. Die Tarife kalkuliert der Anbieter selbst, das ist insofern einfacher als beim Mähdrusch- oder Rübenernte-Dienstleister, da sich die Konkurrenz in Grenzen hält.

Der hervorragende Ruf, den sich die Speisekartoffel-Premiummarke „Erdäpfel-Kartoffeln aus Sachsen“ erworben hat und der sich auch in ansprechenden Erlösen für die Landwirte ausdrückt, der ist auch das Resultat der Dienstleistungen, die von den Bauern in wachsendem Maße in Anspruch genommen werden. Es ist also nicht nur der Dienstleister, der hier gut lachen hat!
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