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Hermann Steffen

zum Frühkartoffelmarkt

Runde Zwei

Nach dem Auslaufen der nordafrikanischen Herkünfte geht der Frühkartoffelmarkt in die zweite Runde, auch wenn noch Restmengen aus Marokko und Israel eintreffen oder einzelne Abpacker noch die letzten Partien aus Ägypten aufbrauchen. Nachdem die Lieferungen aus Spanien immer wieder witterungsbedingt unterbrochen wurden, treten die Iberer mit einwöchiger Verspätung an, um die Lücken am deutschen Markt zu stopfen. Als Lückenbüßer müssen sie sich nicht fühlen, denn die Zufuhren aus Italien fallen wegen des dortigen hohen Preisniveaus bescheiden aus, und die Knollen aus Griechenland oder der Türkei werden den Ansprüchen der Abpackbetriebe kaum gerecht. Die Lieferungen aus Zypern sind qualitativ zwar hochwertig, die Mengen jedoch durch das Hochpreissegment begrenzt.

Für die kommenden vier Wochen zeichnen sich nun stetige Lieferungen aus Spanien ab, die allerdings auf einen deutschen Markt treffen, auf dem die ersten Probeläufe mit heimischen Frühkartoffeln anstehen. Vor Pfingsten lässt sich von deutschen Böden jedoch nichts Nennenswertes erwarten, auch wenn die Pfalz in dieser Woche die Kampagne eröffnet hat und auch anderswo erste Kleinstmengen für den Direktabsatz gerodet wurden. Doch dies könnte sich schnell ändern, denn die Versuchung, von der Hochpreisphase zu profitieren, dürfte bei den Erzeugern groß sein. Die Branche ist sich einig, dass sich die Frühkartoffelpreise abschwächen. Die Frage ist nur, wie schnell und wie massiv. Wenn es stimmt, dass kleinere Überschussmengen nicht unbedingt zu einem gravierenden Bruch führen müssen, besteht durchaus die Chance auf moderate Preisverläufe, falls Spanien Preis- und Rodedisziplin bewahrt. Dies sollte sich auch stabilisierend auf die italienischen Herkünfte und zunächst auch auf die Pfalz auswirken, der es in der Vergangenheit mitunter ohne Not gelang, die Preise in den Keller zu ziehen.

Da Spanien mit fest kochenden Sorten ein anderes Segment bedient als die deutschen Produzenten mit vorwiegend fest kochenden Sorten, könnte dies zwar theoretisch zu einer getrennten Preisentwicklung in den verschiedenen Bereiche führen, doch die Preise werden immer weniger von den Anbaugebieten bestimmt, sondern zunehmend vom Lebensmitteleinzelhandel diktiert. Es gilt als sicher, dass sich die Discounter aus Preisgründen so schnell wie möglich auf die deutsche Ware stürzen werden. Dass sie dabei auf Kocheigenschaften achten oder Sortenkenntnis an den Tag legen, lässt sich kaum erwarten, und die Kartoffelkriege der führenden deutschen Discounter im vorigen Jahr dürften noch in unguter Erinnerung sein. Selbst wenn sich das Hochpreisniveau für die deutsche Ware kaum lange halten lassen wird, kann man den Erzeugern nur wünschen, dass die Abwärtsspirale bei den Discount-Preisen möglichst lange auf sich warten lässt.
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