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Sylvia v. Hahn

zu Frostschäden

Petrus

In diesem Jahr mussten die Landwirte schon früh wieder feststellen, dass auf Petrus kein Verlass ist und er immer für Überraschungen sorgt. So sind die Betriebe in Baden-Württemberg, die Frühkartoffeln produzieren, von ihm beizeiten in ihre Schranken gewiesen worden. Schon der Pflanztermin verschob sich witterungsbedingt – es war einfach zu kalt – auf den März. Und zu Kampagnebeginn Ende Mai erfolgte die zweite unliebsame Überraschung. In der Nacht vom 23. auf den 24. Mai trat in extremen Lagen Nachtfrost auf, der auf der Schwäbischen Alb Werte von bis zu -6°C erreichte. Zu marktrelevanten Schäden wird es dadurch zwar nicht kommen. Doch für die betroffenen Landwirte sind die geringeren Ernteerwartungen in jedem Fall schmerzhaft. In Einzelfällen muss mit Einbußen gerechnet werden, die sich zwischen 30 und 50 Prozent bewegen können. Davon dürfen sich die Produzenten allerdings nicht schrecken lassen. Schließlich ist es für Landwirte nichts Neues, dass sie sich auf die Widrigkeiten der Natur einstellen und damit umgehen müssen.

In gefährdeten Gebieten war zwar die Frostgefahr vorhergesagt worden, doch mit Frösten dieser Größenordnung hatte man nicht gerechnet. Betroffen waren vor allem die früh gepflanzten Bestände in extremen Lagen, die in ihrer Wachstumsentwicklung schon weiter fortgeschritten waren. Hier verwachsen sich die Schäden schlechter als beispielsweise in den Pflanzungen, die zum Frostzeitpunkt erst knapp aus dem Boden herausschauten. Auch die Sortenwahl beeinflusste die Frostanfälligkeit. Diejenigen Landwirte, die ihre Flächen beregnen können und rechtzeitig für eine gewisse Bodenfeuchtigkeit in ihren Beständen sorgen konnten, waren vor dem Frost besser geschützt. Denn ein nasser Boden ist nun einmal ein besserer Wärmespeicher als ein trockener. Auf etwa 90 Prozent der Fläche in Baden-Württemberg, auf der die Frühkartoffeln unter Folie angebaut werden, ist eine Beregnung möglich. Bei den restlichen 10 Prozent sind die Landwirte in Sachen Niederschläge ausschließlich von Petrus abhängig. Hier sollten die Erzeuger vielleicht doch überlegen, ob sie nicht in Zukunft in eine Beregnungsanlage investieren, sofern Wasser vorhanden ist, um das Risiko zu minimieren.

In diesem Jahr war es der Frost und im vergangenen Jahr die lang anhaltende Trockenheit, deren Folgen zumindest im Südwesten noch immer zu spüren sind. Beides sollte die Landwirte – wenn immer möglich – zu neuen Anbau- und Investitionsüberlegungen veranlassen.
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