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Jörg Foshag

zur Situation in Frankreich

Hoffnung

Die Kartoffel, was für eine gesunde Angelegenheit (La pomme de terre, quelle santé)“. Unter diesem Motto haben die französischen Kartoffelerzeuger im Frühjahr eine neue Werbekampagne gestartet. Sie ist dazu bestimmt, den seit drei Jahren schwächelnden Verbrauch wieder anzukurbeln. Ganz bewusst wurde an das Gesundheitsbewusstein und in gewissem Sinne auch an das Umweltbewusstsein appelliert. Denn die Kartoffel steht bei vielen Verbrauchern in Frankreich im Ruf, nicht das idealste Nahrungsmittel zu sein. Vor allem mache es dick, ist immer wieder zu hören. Demgegenüber versuchen die Erzeuger jetzt, potentiellen Käufern einzuhämmern, dass die Kartoffel sehr wohl Diätqualitäten hat. Es geht auch darum, sich gegenüber Konkurrenten wie Teigwaren und Reis abzugrenzen und die Kartoffeln stärker in den beliebten Gemüsebereich zu integrieren.

Bisherige Kampagnen hatten nicht den gewünschten Erfolg. Der Inlandsverbrauch ist in Frankreich in den vergangenen drei Jahren zurück gegangen. Er litt unter der allgemeinen Nachfrageschwäche nach Frischprodukten. Die Kartoffel hatte aber auch angesichts der Konzentration im Handel einen schwereren Stand. Die Position der Erzeuger gegenüber den Supermärkten, die 75 Prozent des Einzelhandels mit Kartoffeln ausmachen, ist ungünstiger geworden. Dies umso mehr, als Billigläden inzwischen 20 Prozent des organisierten Einzelhandels ausmachen. Doch die Hoffnung besteht, dass die neue Kampagne unter besseren Bedingungen gestartet ist. Denn der Verbrauch in Frankreich hat wieder angezogen.

Die großen Anstrengungen, die die Kartoffelbranche in Frankreich im Hinblick auf die Verbesserung der Qualität, der genormten Produktion und der Auszeichnung der Ware unternommen hat, scheinen sich auszuwirken. Dazu kommt, dass der Export alle Rekorde schlägt. Bis Ende Februar haben die französischen Erzeuger mit mehr als 800±000 t seit Beginn der Kampagne die Ausfuhr gegenüber der gleichen Vorjahreszeit um mehr als 50 Prozent gesteigert. Die traditionellen Exportmärkte Italien (plus 111 Prozent ), Portugal (plus 83 Prozent), Spanien (plus 67 Prozent) haben sich dabei als besonders ergiebig erwiesen, während die Lieferungen nach Deutschland hinter dem Vorjahresergebnis hinterher hinkten.

So ist die Lage aus Erzeugersicht durchaus befriedigend. Allerdings stehen mit der Erweiterung der Europäischen Union neue Herausforderungen für die 15.000 Kartoffelproduzenten in Frankreich bevor. Der Wettbewerb kann sich durchaus verschärfen. Allein Polen produziert mit 15 Mio. t mehr als dreimal so viel Kartoffeln wie Frankreich. Und die Produktionskosten sind niedriger. Argwöhnisch beobachten die französischen Erzeuger, ob die Wettbewerbsbedingungen auf dem europäischen Markt nicht zusätzlich verzerrt werden.
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