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Cäcilie Daus-Speicher

zieht Zwischenbilanz

Überdurchschnittlich

Schon heute steht fest: Die Frühkartoffelkampagne 2004 zählt eindeutig zu den besseren Kampagnen. Auch wenn die Erzeuger ihrer Unzufriedenheit über die zum Teil drastischen Preisrücknahmen Ausdruck verleihen und die – durchaus berechtigte – Frage stellen, ob man in diesem Jahr finanziell nicht mehr hätte rausholen können, wird der Wertumsatz ganz klar über dem langjährigen Durchschnitt liegen. Das war nach den mäßigen bis schlechten Kampagnen der vergangenen Jahre auch überfällig und nötig und verschafft den Betrieben wieder größere Freiräume für Investitionen.

Unauffällig und im Grunde unspektakulär gestaltete sich bisher die Pfälzer Frühkartoffelsaison, was nicht nur Nerven schonend war, sondern sich auch unterm Strich bemerkbar macht. Leider lag das weniger daran, dass Erzeuger und Vermarkter plötzlich mehr Einsehen in marktorientierteres und den Markt gestaltendes Handeln gewonnen hätten. Nein, die Umstände beziehungsweise die Marktverhältnisse verhalfen den Beteiligten zu diesem überdurchschnittlichen Ergebnis. Der Markteinstieg gelang den Pfälzern in diesem Frühjahr eigentlich schon in der zweiten Vermarktungswoche und damit ungewöhnlich früh. Alterntige Speisekartoffeln galten als geräumt und spielten keine Rolle mehr. Die Mittelmeerländer waren alles andere als lieferstark, sodass Verbraucher wie Lebensmittelketten die Pfälzer Grumbeeren regelrecht erwarteten. Von Anfang an konnten rodewillige Landwirte ungebremst ihre Flächen räumen. Als Bremse wirkte dabei eher die Tatsache, dass die Hektarerträge noch ein paar Tage Zuwachs sinnvoll erscheinen ließen. Die Aufnahmefähigkeit des Marktes jedenfalls erlaubte es den Pfälzern, auch in den folgenden Wochen die Felder zügig und ohne Einteilung abzuernten, ohne dass überhängige Ware Angebotsdruck ausgelöst hätte. Je flotter die Felder geräumt wurden, um so geringer fiel der Ertragszuwachs aus, der wiederum für Druck hätte sorgen können.

Dass es dennoch zu drastischen Preisrücknahmen kam, ist Folge des gnadenlosen Wettbewerbs der beiden großen Lebensmittelketten Aldi und Lidl, dem die Kartoffelvermarkter – nicht nur in der Pfalz – in ihren heutigen Unternehmensstrukturen im Grunde nichts entgegenzusetzen haben. Für die Erzeuger ist das ebenso wenig tröstlich wie für die Vermarkter. Es entspricht aber der Realität.
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