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Sylvia v. Hahn

zu Investitionsentscheidungen

Hopp oder Topp

Petrus macht es den baden-württembergischen Kartoffelerzeugern in diesem Jahr wahrlich nicht leicht. Der Pflanzbeginn lag witterungsbedingt mit Anfang März recht spät. Als nächstes folgten in der zweiten Maihälfte in extremen Lagen Bodenfröste mit bis zu minus 6°C. Der Schaden hielt sich landesweit gesehen zwar in Grenzen und verursachte keine marktrelevanten Ausfälle. Doch für die betroffenen Landwirte bedeutete es allemal Ertragseinbußen in einer Größenordnung zwischen 30 und 50 Prozent. Während im vergangenen Sommer Menschen, Pflanzen und Tiere unter den heißen Temperaturen bis hin zu 40°C litten, zeigen sich die diesjährigen Temperaturen zwar deutlich erträglicher mit angenehmen 20 bis 25°C – es wurden bisher nur wenige wirkliche Sommertage registriert – doch die Trockenheit stellt 2004 ebenso ein Problem dar wie im Vorjahr.

Die diesjährige Vegetationsperiode im Südwesten ist gekennzeichnet von zu geringen Niederschlägen. Hinzu kommt das Wasserdefizit aus dem vorigen Jahr. Es sieht so aus, als ob sich die zu geringen Niederschläge in Baden-Württemberg immer stärker zu einem regelmäßigen ertragsbegrenzenden Faktor entwickeln würden. Unabhängig von der Tatsache, dass schwere Unwetter mit Tennisball großen Hagelkörnern im Raum Freiburg und im Bodenseegebiet zu wieder ganz anderen Problemen führen, müssen sich die Kartoffelproduzenten im Südwesten intensiv Gedanken über ihre Zukunft machen. Wer auch in den nächsten Jahren bei der Kartoffelerzeugung noch mitmischen will, muss in der Lage sein, seine Flächen zu beregnen. In Baden-Württemberg können bisher von einer Kartoffelanbaufläche, die bei rund 6.000 ha liegt, nur etwa 2.000 bis 2.500 ha beregnet werden. In Niedersachsen sind es beispielsweise etwa 90 Prozent der Kartoffelanbaufläche. In trockenen Jahren lassen sich mit Hilfe von Beregnungsanlagen die Erträge verdoppeln. Im Durchschnitt der Jahre, einschließlich der feuchten Sommer, kann die Ernte mit Beregnung um bis zu 100 dt/ha erhöht werden.

Diese Maßnahme ist zwar mit entsprechenden Kosten für die Wasserentnahmetechnik, das Wasserrecht und die Bewässerungsanlage verbunden, inklusive des zusätzlichen Arbeitsaufwands. Doch es hilft, die Erträge und damit das Einkommen des Produzenten zu sichern. Auch die Vermarktungsseite hat dieses Problem inzwischen erkannt. So ist durchaus der eine oder andere Erfasser bereit, seine Erzeuger bei der Installation einer Beregnungsanlage finanziell zu unterstützen, um sich so seine Vermarktungsfläche zu erhalten. Als Gegenleistung müsste sich der Landwirt verpflichten, für seinen Erfasser eine gewisse Zeit lang Knollen zu produzieren. Ein Landwirt, der sich gegen diese Investition entscheidet, ist in Zukunft vermutlich hopp, wer dafür ist, ist eher topp.
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