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Hermann Steffen

zu Anbauhilfen

Prämien

Mit der Einbeziehung der Kartoffeln in das Prämiensystem der Agrarreform werden historische Fakten geschaffen, denn die Zeit ohne staatliche Regelungen beim Speisekartoffelanbau gehört bald der Vergangenheit an. Doch wenn die Betriebe ab dem kommenden Jahr im Schnitt etwa 300,- EUR/ha für den Kartoffelanbau erhalten, werden sie sich einem bürokratischen Aufwand gegenübersehen, der den der Milchquotenregelung möglicherweise noch übertrifft. Wie das System letztendlich aussehen soll, ist noch offen, denn die ersten Durchführungsverordnungen werden frühestens im Herbst dieses Jahres erwartet. Da sich bei einem Quotensystem Benachteiligungen kaum vermeiden lassen, wird die neue Regelung vermutlich lange die Gemüter erhitzen und Härtefallregelungen für ersten Zündstoff sorgen. Die Erfahrungen mit Gewinnern und Verlierern von Härtefällen bei den Milchquoten dürften noch nicht vergessen sein.

Noch nicht überschaubar sind die Auswirkungen auf den Pachtmarkt. Es steht zu befürchten, dass die Pachtpreise reagieren werden, jedenfalls in den Gebieten, in denen der Kartoffelanbau größtenteils auf fremden Flächen betrieben wird. Die Problematik beginnt bereits mit der Stilllegungsverpflichtung, denn die Landwirte müssen Flächen für die Stilllegung zusätzlich freimachen oder zupachten, wollen sie den Kartoffelanbau nicht einschränken. Ein anderes Problem könnte bei der häufig üblichen Weitergabe der geräumten Frühkartoffelflächen für den Gemüseanbau entstehen. Da auch der Gemüseanbau prämienbegünstigt ist, ist offen, wem in diesen Fällen die Beihilfen zustehen. Streitigkeiten scheinen geradezu vorprogrammiert, wenn auch noch der Verpächter Ansprüche auf die Prämien anmeldet, obwohl diese sinnvollerweise an den Betrieb gekoppelt sind. Auch wenn Altpachtbeträge davon nicht tangiert werden, bei der Neugestaltung wird man zumindest um Anerkennungsbeträge für den Verpächter kaum herumkommen.

Abzuwarten bleibt, ob das System die Strukturen im Kartoffelanbau konservieren wird. Da die Prämien übertragbar und regional handelbar sind, sollte ein Strukturwandel grundsätzlich möglich sein. Darüber, was die einzelne Prämie letztendlich monetär wert ist, wird man vermutlich schon in Kürze hochspekulative finanzmathematische Berechnungen anstellen, denn wenn zusätzliche Tierprämien in einen Prämientausch mit einfließen sollten, wird es richtig kompliziert. Befürchtungen, dass einige Erzeuger die Prämien als Wettbewerbsvorteil bei Verkauf weitergeben könnten, sind genauso wenig von der Hand zu weisen wie Hoffnungen auf stärkere Verhandlungspositionen der Erzeuger, für die ab 2005 Anbauausdehnungen nur noch ohne Prämie möglich sind. Beide Argumente sollten den marktwirtschaftlich orientierten Landwirt unbeeindruckt lassen, hat er doch in der Vergangenheit zur Genüge bewiesen, dass sich schwierige Marktsituationen ohne Marktordnungen und Beihilfen meistern lassen.
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