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Cäcilie Daus-Speicher

zu Übergrößen

Für Spezialisten

Alle Welt spricht von einer sehr üppigen Kartoffelernte. Vor allem aber über zu dicke Knollen, die zudem noch reichlich vorhanden sind. Und ehe man sich versieht, befindet sich der Markt in einer „bärigen“ Verfassung: Die Stimmung ist mies, die Preise im Sinken begriffen, die Erzeuger, aus Angst vor weiter schrumpfenden Erlösen, bieten ihre Erdäpfel an, wie Sauerbier. Hauptsache, das Zeug kann noch zu einem halbwegs vernünftigen Preis an den Mann oder die Frau gebracht werden.

Nun, diese Stimmung kommt nicht allen ungelegen. Die großen Lebensmittelketten, die sich gegenseitig die Kunden abluchsen wollen, fast zu jedem Preis, vor allem wenn man dies auf Kosten anderer betreiben kann, sehen dies nicht ungern. Im gegenseitigen Unterbieten sind die beiden Großen der Discounterbranche eigentlich nicht mehr zu überbieten. Als nächstes folgen die Abpackbetriebe, denen mitunter fast jedes Argument willkommen ist, um günstig an Rohware heranzukommen. Nur so können sie bei der allwöchentlichen Preisschlacht um die Liefermöglichkeit an die einzelnen Lebensmittelketten in der Folgewoche die Nase vorn haben. Hauptsache, man ist mit von der Partie und die Abpackkapazitäten sind einigermaßen ausgelastet. Natürlich gibt es reichlich Kartoffeln in diesem Jahr. Doch besonders reichlich sind wir wohl mit Stärke- und Verarbeitungskartoffeln gesegnet, glaubt man den Aussagen der ZMP. Natürlich gibt es auch reichlich dicke Kartoffeln, nicht nur bei der Industrieware, sondern auch im Speisesektor. Die Frage ist nur, wie gehen Vermarkter und Erzeuger damit sinnvoll um, damit die derzeitige schlechte Stimmung nicht in Hysterie umschlägt. Bei differenzierter Betrachtung stellt sich unter anderem heraus, dass wir in der Vermarktung durch den mengenmäßig sehr guten und frühzeitigen Verkauf der Frühkartoffeln weiter vorangeschritten sind als in Normaljahren. Es gibt keine Überhänge aus der Frühkartoffelkampagne, die noch am Markt unterzubringen wären. Der verbleibende Vermarktungszeitraum wird zudem durch die guten Qualitäten und die Lagerstabilität verlängert, sodass die Nachfrage noch acht bis neun Monate bedient werden kann und muss. Eine lange Zeit, die es zu nutzen gilt.

Was die Übergrößen anbelangt, so fällt derzeit ein recht unsensibler Umgang einiger Vermarkter mit dieser Ware auf, die eine Marktnische unnötig in Gefahr bringen. Auf den Großmärkten besteht nämlich von Seiten der kleinen Gemüseläden mit vorwiegend Kunden, die aus der Türkei oder ehemals sowjetischen Ländern stammen, kontinuierlich Kaufinteresse. Doch dieser Markt will gepflegt sein wie jeder andere. Die Ware muss frisch, qualitativ gut und sortenrein vorliegen und bedarf der sorgfältigen Aufbereitung. Wer dies als Abpackbetrieb nicht gewährleisten kann, sollte die Geschäfte besser den wenigen Spezialisten überlassen, die sich diesen Markt über Jahre aufgebaut haben.

Klar ist – und das gilt für alle Sortierungen: Auch der niedrigste Preis wird die Absatzmengen derzeit nicht erhöhen können. Es bringt folglich nichts, den Markt mit Mengen zuzuschütten, die keiner vermarkten kann. Insofern lohnt sich die Einlagerung aus mindestens zwei Gründen: Zum Ersten wird der Angebotsdruck reduziert und es kann wieder mehr Ruhe einkehren und zweitens wird der Preisverfall gebremst oder sogar gestoppt.
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