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Mechthilde Becker-Weigel

zur Kartoffelausstellung 2006

Olympiade

Die vierte Internationale Kartoffelausstellung, die „Pommes der Terre“, die am 1. und 2. September in der französischen Picardie stattfand, zeigte die Kartoffelbranche von ihrer besten Seite. In einer bedeutenden und leistungsstarken Agrarregion zeigten die französischen Veranstalter eine große internationale Palette an Produktions- und Aufbereitungstechnik. Unternehmen und Verbände aus Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung präsentierten sich vor einem internationalen Publikum.

Die Pommes de Terre fand im Jahr 2001 zu ersten Mal statt. Danach wechselten die Veranstaltungsorte zwischen Frankreich, Belgien und Holland. Im Jahr 2006 wird Deutschland erstmals an der Reihe sein.

Eine Ausstellung wie die Pommes der Terre in Frankreich könnte in Deutschland nicht nur eine Lücke schließen. Kartoffelfeldtage und Erntedemonstrationen finden in Deutschland bislang auf regionaler Ebene in einem privateren Umfeld statt. Dabei heben sich einzelne Veranstaltungen, wie beispielsweise der Weuthen-Kartoffeltag, der seit nunmehr 15 Jahren stattfindet, und die Grimme-Maschinenvorführungen mit ihrem Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus hervor. Ein Pendant, das die gesamte Branche umfasst gab es bislang allerdings nicht.

Mit der Kartoffelausstellung kann die deutsche Kartoffelwirtschaft die Chance ergreifen, sich einem internationalen Publikum zu stellen und den Erzeugern die Möglichkeit des umfassenden Informationsaustausches rund um ihr spezielles Produkt bieten.

Um die Organisation der Kartoffeltage 2006 kümmert sich die Union der Deutschen Kartoffelwirtschaft (Unika), die im Jahr 2001 als verbandsübergreifende Organisation vom Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e.V. (BDP) und dem Deutschen Bauernverband e.V. (DBV) gegründet wurde.

Nahezu alles was die Unika sich ins Gründungsbuch geschrieben hat, kann sie 2006 mit der Veranstaltung umsetzen: Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Kartoffelzüchtung, Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung zu verbessern und der deutschen Kartoffelwirtschaft zu neuen Impulsen zu verhelfen.

Die Zeit läuft und die Messlatte für das Ausstellungskonzept und die Umsetzung wurde in Frankreich hoch gelegt. Die ersten skeptischen Stimmen äußerten sich schon. Die ersten kritischen Fragen wurden gestellt.

Natürlich, die Zeit bis 2006 läuft. Organisatoren und Sponsoren müssen gefunden werden. Das Konzept muss entwickelt und die Zielgruppen identifiziert und erfolgreich angesprochen werden. Ein auch für internationale Besucher und Aussteller interessanter Standort, der die Leistungsfähigkeit der deutschen Kartoffelproduktion zeigt, muss ausgewählt werden.

Aber Rom wurde auch nicht in einem Tag erbaut. Und hat man nicht ähnliche Unkenrufe gehört in Griechenland, über die Organisation und Ausrichtung der Olympischen Spiele? Zwar wurde die Kartoffel nicht komplett in Deutschland erfunden, wie die Olympiade in Athen, aber immerhin besetzt die Knolle hier im Vergleich der EU-15 die größte Anbaufläche. In der erweiterten EU steht Deutschland hinter Polen auf Rang zwei. Das wird den Organisatoren ein besonderer Anreiz sein. Und bei dem Ziel, das Image der Kartoffel zu fördern und die Branche zu stärken, könnte man von fast olympischen Dimensionen sprechen.
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