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Brigitte Stein

zum Pflanzkartoffelmarkt

Größenordnung

Groß wird sie sein, die diesjährige Kartoffelernte. Das steht fest. Die Bewertungen gehen allerdings weit auseinander. Christoph Hambloch hält mit guten Argumenten die Menge für durchaus bedarfsgerecht. Wer sich preiswert eindecken will, wird natürlich argumentieren, dass im vorigen Jahr eine kleinere Menge ausgereicht hat und die Industrie das Sparen gelernt hat. Zudem können die Verarbeiter in diesem Jahr aus dem Vollen schöpfen, was die Sortierung der Knollen angeht. Großfallende Sortierungen vermindern die Verluste.

Ganz anders stellt sich aber die Kartoffelernte aus Sicht der Pflanzguterzeugung dar. Denn hier sind Übergrößen nun wahrhaft unerwünscht. Viele kleine Knollen wären das Ziel. Und dann natürlich noch ein guter Preis am Speisekartoffelmarkt, damit die Kartoffelerzeuger ihre Speisekartoffeln verkaufen und mit dem gut verdienten Geld zur nächsten Saison wieder neues Pflanzgut beziehen. All diese Wünsche bleiben dem Pflanzgutsektor nun unerfüllt. Vielmehr weisen auch die Vermehrungsbestände viele Übergrößen auf. Dennoch sind die Erträge der Vermehrer so gut, dass immer noch reichlich Knollen in der passenden Pflanzgut-Sortierung vorliegen – zum Teil sogar mehr als 2002.

Nun ist bei Pflanzgut ja immer noch der Gesundheits-Check abzuwarten, der sich bis Ende November hinziehen wird. Erst dann liegen Zahlen über definitiv verfügbare Pflanzgutmengen vor.

Doch erste Ergebnisse aus den Virustestungen gibt es bereits von den frühen Sorten. Diese Ergebnisse deuten auf ein phytosanitär durchschnittliches Jahr hin. Sortenspezifische Unterschiede in der Virusanfälligkeit zeigen sich auch in diesem Jahr. Aber bundesweit wird von den zuständigen Ämtern keine Virusbelastung erwartet, die den Pflanzgut-Markt von großen Mengen entlasten könnte.

Eher schon werden Probleme mit der Haltbarkeit der Pflanzkartoffeln vermutet. Schließlich gab es zu ungünstigen Phasen immer wieder lokal verteilt Regen, der Fäulniserreger gefördert haben könnte. Hier könnte im Laufe der Lagerung dann eine Art Mengenreduzierung stattfinden, über deren Umfang sich trefflich spekulieren lässt.

In jedem Fall passen die heutigen Speisekartoffelpreise überhaupt nicht zum Absatz von Qualitäts-Pflanzgut, das aufwendig erzeugt wurde und einen lohnenden Preis erzielen muss. Ob sich aber ein besserer Pflanzgutabverkauf mit niedrigeren Preisen verwirklichen lässt, ist zweifelhaft. Den Preis für den Pflanzgutmarkt in der „richtigen“ Größenordnung zu finden, wird unter den gegebenen Voraussetzungen eine schwierige Entscheidung.
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