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Jan Peters

zur desolaten Marktlage

Kostenträchtig

Selten zuvor waren die hiesigen Märkte für Speisekartoffeln so schwierig wie in diesen Wochen. Da Osteuropa praktisch als Käufer ausgefallen ist und andere Käufer für Speisekartoffeln außerhalb der eigenen Märkte nicht in Sicht sind, liegen größere Mengen an Speisekartoffeln unverkäuflich in den Lägern der landwirtschaftlichen Betriebe oder der aufnehmenden Hand. Besonders in vielen Teilen Niedersachsens lagern auf den Agrarbetrieben deutlich größere Mengen an Speisekartoffeln, als ursprünglich erwartet wurde. Schließlich sind die Flächenerträge im Kartoffelanbau in diesem Jahr im Bundesgebiet mit 431 dt/ha um 25 Prozent höher ausgefallen, als noch vor einigen Monaten vorausgesagt. Das bisherige Rekordergebnis im Jahr 2000 wurde nur um 2 dt/ha verfehlt. Diese hohen Erträge haben maßgeblich zu einer großen, rekordträchtigen Ernte beigetragen.

Die Abpackbetriebe haben ihren Bedarf bis zum Jahresende mehr oder weniger gedeckt. Größere Mengen an Speisekartoffeln sind praktisch nicht zu vermarkten, es sei denn, der Erzeuger nimmt weitere deutliche Preiseinbußen in Kauf. Noch niedrigere Erzeugerkurse decken jedoch nicht mehr die Produktionskosten. Bereits Mitte Oktober haben sich die Einstandspreise des Großhandels für die bevorzugten Sorten Cilena und Linda mit 10,- bis 13,- EUR/dt ermäßigt und liegen damit auf einem halb so hohen Niveau wie im Vorjahr.

Die diesjährige deutsche Kartoffelernte wird jetzt offiziell auf 12,6 Mio. t geschätzt. Fast alle anderen wichtigen Erzeugerländer in der EU-25 melden gegenüber dem Vorjahr deutlich höhere Erträge. Nachdenklich sollte es stimmen, dass auch die Erzeuger in den osteuropäischen Ländern ihre Kartoffelflächen auf dem hohen Stand gehalten haben und mit attraktiveren Sorten außerdem höhere Flächenerträge erzielen. Diese Märkte bieten damit für die deutschen Kartoffelerzeuger kein Absatzpotenzial. Für die kommenden Wochen gehen Hamburger Händler daher von einem fortgesetzt schwachen Preistrend aus. Zwar gibt es vermehrte Anzeichen dafür, dass die preisliche Talsohle erreicht ist, jedoch gibt es keine ausreichenden Erlöse auf der Erzeugerstufe.

Damit sind erste Weichen für die Vermarktung der kommende Ernte 2005 gestellt. Denn schon heute lässt sich sagen, dass das Angebot an Speisekartoffeln zurückgeführt werden muss. Nur so lassen sich bessere Markt- und Preischancen erzielen. Speisekartoffeln als Massenware produziert, werden an Bedeutung verlieren und preislich so weit fallen, dass die Erzeuger aus Kostengründen den Anbau einschränken müssen. Zwingend muss man daraus folgern, dass der Anbau von Speisekartoffeln weiterhin schwierig wird und bleibt. Nur welche Alternativen haben die landwirtschaftlichen Betriebe auf den frei werdenden Flächen? Landwirte und Vermarkter an Märkten für Speisekartoffeln geraten in dieser Situation größerer Überschussmengen zunehmend in eine Kostenschere. Ähnlich wie in anderen Bereichen der landwirtschaftlichen Produktion wird die Produktion in der Erzeugerstufe zunehmend zusammengefasst werden. Größere Einheiten bei der Vermarktung und der Verarbeitung von Speisekartoffeln müssen sich herausbilden, um als Gegenpol zu den großen Lebensmitteleinzelhandelsbetrieben und Verarbeitungsbetrieben zu wirken.
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