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Jörg Foshag

zu Sorgen in Frankreich

Schwerfällig

Die französische Kartoffelwirtschaft hat den diesjährigen Internationalen Nahrungsmittelsalon (SIAL) zum Anlass genommen, um für die Qualität ihrer Produkte zu werben. Sämtliche Sorten, Vertriebswege, Verarbeitungsarten in Industrie und Küche wurden heraus gestellt, um den zögerlichen Verbraucher an der Kartoffel zu interessieren. Frankreich ist stolz darauf, der größte Kartoffelexporteur in Europa zu sein und will seinen Ruf behalten. Die Branche hat bereits die Glückwünsche von Außenhandelsminister François Loos entgegen genommen, der zum Exporterfolg der vergangenen Kampagne (2003/2004) gratulierte. Immerhin hat Frankreich im zurückliegenden Wirtschaftsjahr 1,4 Mio. t Kartoffeln exportiert, rund 300.000 t mehr als im vorangegangenen Jahr.

Aber es wird schwer sein, den Erfolg zu wiederholen. Denn die diesjährige Kampagne lässt sich mühsam an. Die Ernten sind größer ausgefallen als im Wirtschaftsjahr 2003/2004. Dies ist nicht nur in Frankreich so, sondern auch in anderen europäischen Staaten. Die französischen Produzenten weisen mit Recht darauf hin, dass die diesjährigen Qualitäten sich insgesamt sehen lassen können. Der Anteil der guten Kaliber ist größer als im Vorjahr, betont das Interprofessionelle Zentrum CNIPT. Doch dies ändert nichts daran, dass die französische Ware Mühe hat, auf den Märkten der Europäischen Union abgesetzt zu werden. Die Nachbarn haben angesichts eines großen Angebots viel Auswahl. Und wie zu hören ist, wendet sich Italien, das neben Spanien, Deutschland und Holland zu den traditionellen Kunden Frankreichs gehört, im Augenblick an deutsche Produzenten, die mit wettbewerbsfähigen Preisen und niedrigeren Transportkosten locken können.

Die Lage am französischen Kartoffelmarkt ist vor diesem Hintergrund schwerfällig. Die Inlandsnachfrage wird durch das verhältnismäßig warme Wetter nicht eben gefördert. Auch ein gutes Verhältnis Preis/Qualität bringt den lustlosen Markt nicht in Schwung. Die Produzenten hoffen nach wie vor auf Exportmöglichkeiten in den Mittelmeerraum, aber der Wettbewerb hat sich verschärft. Der belgische Markt, der vor allem für verarbeitete Kartoffeln wichtig ist, wird als lethargisch beschrieben. Vor diesem Hintergrund sind die jüngsten Schätzungen des Pariser Agrarministeriums über die zu erwartende Kartoffelproduktion im neuen Wirtschaftsjahr nicht dazu angetan, die Stimmung zu heben. Das Ministerium erwartet, dass die Produktion insgesamt (Frühkartoffeln, Lagerkartoffeln, Stärkekartoffeln und Pflanzkartoffeln) in Frankreich 7,02 Mio. t Kartoffeln ausmachen wird. Das sind 10,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Lagerkartoffeln, die den mit Abstand wichtigsten Bereich der französischen Kartoffelwirtschaft stellen, ist die Steigerung noch deutlicher. Mit 4,85 Mio. t wird die Ernte des Wirtschaftsjahres 2004/2005 die Vorjahresernte um 14,5 Prozent und den langjährigen Durchschnitt um 13,2 Prozent übertreffen. Vor einem Jahr war die Situation leichter, als eine schwächere Produktion mit steigenden Preisen einher ging.

Es liegt auf der Hand, dass der schwierige Beginn der Kampagne zu einem Druck auf die Preise führt. Zumal der Handel versucht, die mit Wirtschafts- und Finanzminister Sarkozy ausgehandelten Preissenkungen an die Produzenten weiter zu geben. Die Appelle der Berufsorganisation, den Preisforderungen nicht nachzugeben, ändern daran wenig. Die Produzenten sind einem harten Wettbewerb ausgesetzt.
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