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Brigitte Stein

zu Dr. Herwig Elgeti

Engagement

Unser Präsident, das ist ein wirklich Guter!“ Dieser Satz über Dr. Herwig Elgeti fiel mehrfach und mit Nachdruck bei einer Tagung. Er haftet im Gedächtnis. Er haftet vor allem, weil es keinen aktuellen Anlass gab zu solch einem Lob. Es kam einfach mitten aus dem Herzen eines Mitglieds des Zentralverbandes des Deutschen Kartoffelhandels (ZV). Vorausgegangen waren weder eine kritische Situation noch eine besondere Heldentat des ZV-Präsidenten.

Nun hat diese Äußerung ein neues Gewicht, denn Elgeti ist als Präsident des ZV zurückgetreten. Aus diesem Anlass gehört es sich einfach, lobende Worte für einen scheidenden Präsidenten zu finden. Die aktuell geäußerte Anerkennung seiner Tätigkeit und das bekundete Bedauern über seinen Rücktritt werden bestätigt von jenen Worten am Rande der Tagung. „Er denkt nicht an sich und seinen Vorteil, wie viele andere das tun“, lautete damals die Begründung. „Er hat sich nicht gescheut, über Probleme des Verbandes, der Branche zu reden, um die Probleme anzupacken“, so Vizepräsident Jürgen Kleinlein heute. Das also zeichnet einen guten Präsidenten aus.

Zurückgetreten ist er, weil sein Unternehmen Insolvenz beantragen musste. „An der Spitze eines Kartoffelhandelsverbandes sollte ein Kartoffelkaufmann stehen. Und das bin ich nicht mehr“, so lautet seine eigene trockene Begründung. Die Gründe für die Insolvenz sind glaubwürdig dargestellt: Die B.R.M. Kartoffelhof GmbH in Broderstorf (und das sind Elgeti und seine Frau) hat im Jahr 2000 Schulden einer insolventen Muttergesellschaft übernommen. Mehr als 1 Mio. DM. Beim Abtragen der Schulden war der Kartoffelabpack- und -schälbetrieb, der jährlich rund 10±000 t Kartoffeln verarbeitet hat, durchaus erfolgreich. Doch nun fehlte bei niedrigen Kartoffelpreisen und niedrigen Spannen die Liquidität, die das verschuldete Unternehmen brauchte. Es konnten nicht einmal mehr die Löhne der 35 Mitarbeiter ausgezahlt werden. Da zog Elgeti einen konsequenten Schlussstrich: Insolvenzantrag und Rücktritt aus allen Gremien auf einen Streich. Weitere Insolvenzen wie diese erwartet die Branche aber derzeit nicht. Nicht viele Kartoffelkaufleute werden sich auf derart dünnem Eis bewegen wie die B.R.M. Kartoffelhof, deren Ende bei den herrschenden Marktverhältnissen unabwendbar war. Damit hätte ein Kaufmann vielleicht auch rechnen müssen. Schließlich gönnt man sich in der Branche gegenseitig ja die Spanne und den Umsatz nicht. Da machte das Unternehmen des Präsidenten keine Ausnahme. Auch das zweite Standbein, die Nachfrage nach geschälten Kartoffeln, entsprach nicht mehr den Erwartungen.

Und so blieben immerhin den Mitarbeitern, die jetzt vorerst von Ausfallgeld leben, bisher vier Jahre Arbeitslosigkeit erspart. Dem ZV wurden durch Elgetis Engagement noch einige wegweisende Impulse gegeben, von denen auch der nächste Amtsinhaber zehren kann.
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