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Dietrich Baumann

fand Pellkartoffeln

Duftnote

Wer mit Pommes groß wird, der kennt nicht den köstlichen Duft und den himmlischen Geschmack der Pellkartoffel. Offensichtlich geht das vielen Leuten so. Zum Kartoffelfest auf dem Gelände der Landesgartenschau von Sachsen-Anhalt in Zeitz rissen jüngst die Schlangen vor den dampfenden Kartoffeltöpfen im Festzelt den ganzen Tag lang nicht ab. Da wurden zarte Ökoknollen aus der Altmark ebenso kredenzt wie herkömmlich angebaute Erdäpfel von den Feldern der Magdeburger Börde.

Im Werben um die Knolle hatte sich unter den Fittichen der Agrarmarketinggesellschaft des Landes mehr als ein Dutzend Aussteller zusammengetan: Produzenten, Händler, Abpacker, Verarbeiter, Verbände und Institutionen.

Hieß das Motto im Schatten der Moritzburg: „Weg von der Nudel, hin zur Knolle“? Ganz so extrem klang das Credo nicht, aber ein bissel schon.

An der Spitze der Werbetrommeldivision stand ein Landwirt, der sage und schreibe 55 Sorten im feinen Körbchen vorstellte. Die Majorität der sehenswerten knolligen Vielfalt bestand aus Exoten, wie Rosa Tannenzapfen, Blaue Anden oder Schwarzer Ungarin. Einiges von diesem historischen Erntegut konnte sogar probiert werden – natürlich als dampfende Pellkartoffel.

Apropos Pellkartoffel: Auch von den Landfrauen wurden sie gereicht. Mit Quark und zum Nulltarif.

Wer wissen wollte, ab welcher Mängelgröße er über gekaufte Knollen meckern dürfe und was auf dem Etikett am Beutel stehen müsse, der wurde von der Verbraucherzentrale ebenso beraten wie vom Amt für Landwirtschaft oder von der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau. Aber – die kritischen Fragen waren eher dünn gesät. Viel mehr interessierte die Leute, warum die Kartoffel eigentlich so gesund sei und wie man sie im Konzert von Braten, Blumenkohl, Forelle oder Spiegelei am besten zum Tönen bringe.

Jawohl, da war sie, die konzertierte Aktion. Sie umfasste auch Tips zum Einkellern und zur Sortenwahl für den Kleingärtner. Wobei letztere Wahl mit konstanter Bosheit sowohl in Sachsen-Anhalt wie auch in den anderen neuen Bundesländern vorwiegend auf die Adretta fällt. Stark im Kommen, sagten die Experten, sei freilich die Sorte Rosara.

Die Bio-Bauern hatten ins Kartoffelfestzelt auch leckeres Bio-Bier mitgebracht. Sie waren auch richtig guter Laune. Denn für ihre gute Ernte stehen gute Preise ins Haus. Dagegen zeigte sich die Stimmung bei den „anderen“ in puncto Euro-Sammeln merklich gedämpft. Aber vielleicht war ja das Kartoffelfest mit seinen dampfenden Pellkartoffeln Anlass zum Mehrverbrauch an Knollen in den Haushalten der vielen Besucher und gab der Knolle einen kleinen Aufwind. Und das Zeitzer Kartoffelfest war ja beileibe nicht das einzige Knollen-Event in diesen Tagen und Wochen. Heißt es nicht so schön: Stetes Pellen stärkt den Appetit?
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