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Dietrich Baumann

war beim Jubiläum

Ende gut, alles gut?

Die Mitglieder der mecklenburg-vorpommerschen Erzeugergemeinschaft (EZG) stimmten nur zögerlich in das vorweihnachtliche Halleluja ein. Der Grund: Die Erträge sowohl bei Speise- als auch bei Pflanzware lagen weit über den erwarteten. Nun steht die Frage über den Kartoffelscheunen und Großmieten: Wohin mit den einigen tausend überschüssigen Tonnen und zu welchen Preisen? Freilich, es könnte schlimmere Sorgen geben als diese und alles in allem will die EZG Vorpommern ja auch nicht klagen. Jüngst feierte sie ihr zehnjähriges Bestehen und das war sogar für Agrarminister Dr. Till Backhaus Grund, an die Peene zu eilen, um den Landwirten zu gratulieren. Neun Betriebe mit 144 ha Kartoffeln gründeten einst die Gemeinschaft, heute sind es 20 mit einer Knollenfläche von 1.213 ha. Wir werden auch noch weiter expandieren, sagt der EZG-Chef, Dr. Hans-R. Kröchert, natürlich müsse dann der Absatz gesichert sein.

Die Speiseware geht derzeit zu Pfanni nach Stavenhagen, ins Kartoffelveredlungswerk Hagenow, zur Kartoffelmarkt GmbH Stralsund und in die Stärkefabrik Kyritz. Das Pflanzgut namens Karlena, Fasan, Möwe, Hansa, Marlen oder Marena findet bundesweit Absatz und genießt in ganz Europa einen hervorragenden Ruf. Bekanntlich hatten sich ja nach der Wende führende deutsche Züchterhäuser in Mecklenburg-Vorpommern angesiedelt und nutzen dort die für die Vermehrung hervorragenden Klima- und Bodenbedingungen. Da gibt es auch noch Absatzreserven. Hoffnung für die Zukunft macht den Landwirten die Tatsache, dass die Abnehmer in Stavenhagen oder Hagenow noch erhebliche Kartoffelmengen aus anderen Bundesländern beziehen, weil das einheimische Angebot ihren Hunger (noch) nicht stillt. Angesichts dieser Situation wollen sie im kommenden Jahr beim Anbau weiter zulegen.

Recht gute Laune verbreitete der Minister mit dem Hinweis, dass die Agrarreform mit dem Hauptelement der Entkopplung auch beste Chancen für die Kartoffelwirtschaft biete. So habe Mecklenburg-Vorpommern einen Plafond von 11.500 ha prämienbegünstigter Flächen erstritten, deren Bewirtschafter bisher ohne Prämien auskommen mussten. Diese Entwicklung begleite das Land auch im Rahmen seiner Möglichkeiten als Flächeneigentümer beziehungsweise Flächenverwalter. Konkret heiße das, arbeitsintensive Zweige der Landwirtschaft, also beispielsweise Betriebe mit Kartoffelanbau, könnten bevorzugt Flächen anpachten. Nicht vergessen wurde vom Minister auch der Hinweis auf die 162 Mio. EUR, die seit 1991 in die Kartoffelwirtschaft flossen. 65 Mio. EUR davon waren Fördermittel von Land, Bund und EU. So konnte Dr. Till Backhaus vor dem Weihnachtsfest doch noch einiges Gute zur Kartoffellage berichten und auch den Bauern war danach recht wohl zu Mute.

Nun werden sie ihre derzeit noch überschüssigen Knollen gut hüten und darauf hoffen, dass die Preise im Frühjahr einen fröhlichen Sprung nach oben machen. So, wie die kleinen Ziegenböckchen, wenn sie im Märzen das erste Mal auf die Weide kommen.
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