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Cäcilie Daus-Speicher

zum Zwiebelmarkt

Gnadenlos

Die Zwiebelpreise treiben den Erzeugern die Tränen in die Augen. Sie haben zwar in diesem Jahr eine ausgesprochen gute Ernte eingefahren. Doch was sonst ein Segen ist, entpuppt sich mehr und mehr als Fluch. Die Vermarktung stellt nur noch eine Verlustminimierung dar, verdient wird schon lange nichts mehr. Die Frage der Entsorgung der Ware tritt immer stärker in den Vordergrund und wird sich in bestimmten Regionen auch fast nicht vermeiden lassen.

Gemach, gemach, sagen die Optimisten und hoffen auf das erneute Anspringen des Exportmotors vor allem für niederländische Speisezwiebeln. Und in der Tat werden die Ausfuhren über den weiteren Verlauf des Zwiebelmarkts und damit über Vermarktung oder Entsorgung entscheiden. Die niederländischen Erzeuger haben 2004 eine gigantische Ernte eingebracht. Mit knapp 1,2 Mio. t Rohware und einer Vorjahresernte von knapp 800.000 t hat sich die Vermarktungsmenge mehr als verdoppelt. Bisher haben die Überseeexporte in südostasiatische und afrikanische Staaten, die im Oktober mit einer wöchentlichen Tonnage von 20±000 t zu Buche schlugen und derzeit noch etwa 13.000 t pro Woche umfassen, die Vorräte schrumpfen lassen. Parallel zum Rückgang der Überseeexporte setzte in der Vergangenheit die Nachfrage aus Russland ab Januar verstärkt ein und diente als starkes Entlastungsventil für den europäischen Markt. Doch noch gilt in Russland das im November ausgesprochene Einfuhrverbot für pflanzliche Produkte, auch wenn die Branche nichts sehnlicher erhofft als dessen Aufhebung.

Nicht nur in den Niederlanden fehlen Exportaufträge. Auch hier zu Lande fallen die Ausfuhren nur spärlich aus. Aus der bayerischen Anbauregion, die zwei Drittel ihrer Erntemengen im Ausland vermarkten muss, konnten bisher noch keine 10 Prozent exportiert werden. Tschechien als bisheriges Importland von bayerischen Speisezwiebeln bietet nach einer kräftigen Anbauausweitung und guten Ernte selbst Ware auf dem Balkan an. Dort tummeln sich derzeit sämtliche Zwiebelexportländer und reißen sich um Aufträge aus Rumänien, Bulgarien und Albanien. Polen, Tschechien und Österreich schlagen die Offerten aus Bayern allein wegen der günstigern Frachtkostengestaltung. Die Exportlieferungen nach Italien laufen zwar, wenn auch schleppend. Im neuen Jahr dürften über die aufgebauten Exportkanäle via Italien bayerische Zwiebeln auch nach Griechenland und Albanien abfließen.

Doch selbst für Optimisten bietet der Markt in diesem Winter kaum einen Hoffnungsschimmer. Nicht umsonst weist das Bundeslandwirtschaftsministerium Zwiebelerzeuger auf die Landwirtschaftliche Rentenbank und deren Liquiditätshilfen zur Überbrückung von Engpässen hin. Das ist zwar im Einzelfall eine Hilfe, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der „Wildwuchs“ im Zwiebelanbau nach dem Motto: „Versuchen wir es doch dieses Jahr mal mit Zwiebeln“ nichts zu suchen hat. Zwiebeln gehören in Profihand und erfordern äußerste Sensibilität und Umsicht, was Markt und Qualität anbelangt. Der Markt quittiert jedes Zuviel an Menge und Zuwenig an Qualität umgehend und gnadenlos.
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