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Hermann Steffen

zum Jahreswechsel

Botschaften

Das vergangene Jahr hat wieder einmal gezeigt, wie anfällig die Kartoffelmärkte für Preisschwankungen sind. Lagen die Erzeugerpreise für Speiseware in Niedersachsen Anfang 2004 noch bei 10,- bis 13,- EUR für den Doppelzentner, erlösen die Landwirte seit dem Spätherbst gerade noch 3,- EUR. Die Differenz ist beachtlich, doch nach dem Hochpreisjahr 1998 fiel der Preisrückgang im Folgejahr mit umgerechnet 13,- EUR sogar noch höher aus. Für die Kartoffelbranche sind die in unregelmäßigem Turnus auftretenden Preisbrüche nichts Ungewöhnliches. Es gibt aber zu denken, dass die Landwirtschaft die vor der Saison empfohlene Anbaueinschränkung um 8 Prozent geflissentlich überhörte. Im Gegenteil, bei attraktiven Preisen an den Terminmärkten dehnten die deutschen Landwirte die Fläche noch um 2 Prozent aus und fuhren eine Kartoffelernte ein, die das langjährige Mittel um rund 10 Prozent überstieg und die der Markt kaum verkraften konnte.

Wenn sich bei den heutigen Kartoffelpreisen nur noch ein Bruchteil der Produktionskosten decken lässt, werden sich manche Erzeuger vielleicht an verpasste Preissicherungsmöglichkeiten im vergangenen Frühjahr erinnern. Seinerzeit lagen die Terminpreise an der WTB für April 2005 kurzfristig bei 10,- EUR/100 kg und auch zu niedrigeren Notierungen hätte sich ein Teil der Produktion absichern lassen. Inwieweit man daraus Lehren gezogen hat, bleibt abzuwarten. Die WTB jedenfalls wird in diesen Jahr frühzeitig Terminkontrakte für die kommende Saison anbieten, aus denen sich möglicherweise schon eine Orientierung ableiten lässt. Mit ernsthaften Vorgaben aus Verträgen für die Verarbeitungsindustrie und für den Speisebereich wird frühestens ab Mitte/Ende Januar zu rechnen sein, wobei die Unsicherheit auf allen Seiten groß ist, inwieweit und in welcher Höhe die Flächenbeihilfe in die Preisgestaltung mit einbezogen werden.

Nicht nachvollziehbar sind erste Vertragsangebote, die unter Anrechnung der Flächenprämie einen Erzeugerpreis unter den Produktionskosten festschreiben wollen. Bevor Landwirte darauf eingehen, sollten sie im Interesse ihrer Berufskollegen den Kartoffelbau aufgeben und sich die Flächenbeihilfe über eine andere Ackerkultur auszahlen zu lassen. In die Anbauentscheidung jedenfalls sollte die Flächenprämie nicht mit einfließen, auch wenn es noch so verlockend erscheint. Im Gegenteil, der Verband der niedersächsischen Kartoffelkaufleute empfiehlt sogar eine Einschränkung der Fläche um 11 Prozent und erntet Anerkennung für seinen Vorstoß. Doch frei nach dem Zitat „die Botschaft hör’ ich wohl, allein mir fehlt der Glaube“ rechnen Expertenkreise lediglich für den frühen Verarbeitungsbereich mit einer leichten Reduzierung. Für die Haupternte und den Speisebereich erwarten sie aber nicht einmal andeutungsweise eine solche Einschränkung. Wohl dem, der bei solcher Botschaft seinen festen Glauben an die Preise nicht verliert!
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