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Cäcilie Daus-Speicher

zu Zwiebelexporten

Mogelpackung

Die Zwiebel-Branche klammert sich an einen Hoffnungsschimmer. Sie setzt auf Gespräche, die derzeit in Bonn geführt werden und eine Lockerung des von Russland verhängten Importstopps für pflanzliche Produkte erreichen könnten. Damit, so hofft die Branche, wäre es möglich, den Zwiebelexport wieder in Gang zu bringen, der einiges zur Marktentlastung beitragen könnte. Doch ist dem auch so?

Die Niederlande sind uns in dieser Sache zwar wieder einmal einen entscheidenden Schritt voraus. Doch große Hoffnungen hegen die dortigen Exporteure dennoch nicht. Erreicht wurde auf der politischen Ebene, dass ab dem 1. März unter anderem wieder Speisezwiebeln nach Russland verfrachtet werden dürfen. Die russische Regierung hat zur Überprüfung der Ausfuhren jedoch nur fünf Beamte in die Niederlande entsandt, die vor Ort die Produkte überprüfen. In der Praxis gestaltet sich das dem Vernehmen nach so, dass die gründliche Kontrolle eines einzigen LKW mehrere Stunden in Anspruch nahm, mit dem Ergebnis, dass ein Großteil dieser Ladung nicht freigegeben wurde. Abgesehen von der Frage, wie bei dieser „Manpower“ mehrere tausend Tonnen in der Woche geprüft werden sollen, stellt dies die betroffenen Unternehmen vor eine zusätzliche Kostenfrage. Die Exporteure sollen für diese Auditoren aufkommen, ohne dass eine Woche vor dem Stichtag geklärt ist, in welcher Höhe Kosten anfallen. Hinzu kommen Wartezeiten für LKW und Fahrer, die sich ebenfalls in Euro und Cent niederschlagen werden. Große niederländische Exportfirmen, denen einige Kaufanfragen russischer Kunden nach Speisezwiebeln und Kartoffeln vorliegen, werden aus diesen Gründen zunächst nicht aktiv werden, sondern nach der Devise handeln: Das größte Geschäft macht man wohl dann, wenn man die Finger davon lässt.

Bleibt also die Frage: Was soll das Ganze? Exporte von Zwiebeln und Kartoffeln laufen derzeit ab belgischen und französischen Häfen in Richtung Russland und sollen, so schätzen niederländische Exporteure, wöchentlich etwa 3±000 bis 4±000 t umfassen. Zudem wird der russische Markt aus Kasachstan versorgt, das reichlich Ware liefern kann. Große Versorgungsengpässe sind in Russland daher auszuschließen und hätten mit Sicherheit auch eine andere Politik zur Folge. So verstärkt sich der Eindruck, dass man auf der politischen Ebene zwar guten Willen und Verhandlungsbereitschaft zeigt, in der Praxis mit Auflagen und Kontrollmaßnahmen die Einfuhrmöglichkeiten nach Russland jedoch über Gebühr erschwert. Wird nicht bald eine grundlegende Vereinfachung des Exportprozedere erreicht, dann kann man, wie es ein großer niederländische Exporteur formuliert, die laufende Zwiebelsaison abhaken.
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