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Brigitte Stein

zu Linda

Erkenntnis

Nach dem 30. Juni wird es kein Z-Pflanzgut der Sorte Linda mehr geben. Das hat das Züchterhaus Europlant Pflanzenzucht GmbH so gewollt. Deshalb wurde das Auslaufen des Sortenschutzes verhindert und die Sortenzulassung zum Ende des vorigen Jahres zurückgezogen. Seither sind wohl alle Beteiligten der Kartoffelbranche um einige Erkenntnisse reicher.

So wird an diesem Beispiel deutlich, dass Sortennamen doch nicht nur Schall und Rauch sind. Eigentlich eine Erkenntnis, über die sich Züchter freuen sollten. Zwar wird der Sortenname immer getreulich auf die Verbraucher-Packungen aufgedruckt, aber einen Beweis, dass sich jemand dafür interessiert, hat letztlich erst das fulminante Presseecho der Linda beschert: Sogar Spiegel-Redakteure finden ein solches Thema berichtenswert.

Erkennen mussten aber auch die Landwirte, dass sie mit dem Anbau von Kartoffelsorten das geistige Eigentum von Züchtern benötigen. Eigentlich sollte das längst klar sein, wenn Z-Saatgut verwendet wird und Lizenzgebühren entrichtet werden. Aber derart drastisch ist den Landwirten dieses Recht noch nie vor Augen geführt worden. Wenngleich immer wieder Kartoffelsorten vom Markt genommen werden, die sich nicht lohnten, so war doch noch nie eine Sorte mit einem nicht unerheblichen Marktanteil im Speisekartoffelmarkt betroffen.

Jenen Einzelkämpfern, die nun eine Wiederzulassung versuchen, wird die Erkenntnis wachsen, wie mühsam – wahrscheinlich sogar vergeblich – ein solches Unterfangen ist.

Dem stolzen Eigentümer der Sorte, der Europlant, ist im Verlaufe der Debatte aber auch deutlicher geworden, dass es nicht ganz genügt, im Recht zu sein. Denn rein juristisch ist an der Rücknahme der Sorte nichts auszusetzen. Auch rein ökonomisch ist es sinnvoll, dafür zu sorgen, dass sich Entwicklungskosten amortisieren – auch die Kosten für neu entwickelte Sorten, die gegen die traditionelle Verbreitung der Linda nicht so einfach ankämen. Diesen neuen Sorten wird nun der Marktzugang erleichtert. Das gilt im Übrigen auch für die Sorten der Wettbewerber.

Es offenbart sich eine eher emotionale Lücke, die Linda hinterlässt. Alle Sorten, die von den Züchtern als Linda-Nachfolge-Sorte angepriesen werden, haben bislang bestenfalls geringe Bekanntheit erlangt. Anbauerfahrungen für diese Sorten sind eher spärlich. Diese Erkenntnis sollte jeder nutzen, der künftig eine Sorte strategisch geplant vom Markt nehmen will: Frühzeitig müssen die Nachfolgesorten in die Gesellschaft der Kartoffelbranche eingeführt werden. Sind sie akzeptiert, ist die Nachfolge schmerzloser.
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