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Brigitte Stein

zur Gastronomie

Spaßfaktor

Die Gastronomie-Branche freut sich: 3,9 Prozent Umsatzwachstum bescheinigt die Zeitschrift Food Service den größten 100 Unternehmen dieser Branche im Jahr 2004. Das Tal der Euro-Umstellung scheint überwunden, das im Jahr 2003 nur ein Wachstum von 0,4 Prozent erlaubte und 2002 sogar Umsatzeinbußen um 0,9 Prozent.

Doch gilt diese freudige Entwicklung nur für die Spitze der Gastronomie. Denn das Statistische Bundesamt hat für die gesamte Branche ein Minus von 4,2 Prozent im Jahr 2004 errechnet nach – 6,8 Prozent im Jahr 2003. Das heißt, die Großen der Branche sind deutlich erfolgreicher als die vielen Kleinen. Dieser Trend hält schon eine Weile an, hat die Branchen-Zeitschrift beobachtet: „In einer Dekade sind die Umsätze der 10 Vordersten um 42 Prozent gestiegen.“ Dabei sollten die Kartoffel-Markt-Beobachter scharf hinsehen, denn die Kartoffel spielt in der erfolgreichen Gastronomie womöglich eine immer unbedeutendere Rolle. Dabei wurden gerade in der Gastronomie immer neue Trends gesetzt.

Auf Fastfood-Restaurants entfällt mit 49 Prozent der größte Teil des Gastronomie-Umsatzes. Die Verkehrsgastronomie liegt mit 25,6 Prozent an zweiter Stelle, dem Full-Service werden 9,1 Prozent zuteil, der Handelsgastronomie 8,8 Prozent und der Freizeitgastronomie 7,5 Prozent.

Die beiden größten Umsatzgewinner gehören eindeutig zur Kategorie Fastfood. Es sind Burger King, die 57,2 Mio. EUR mehr umsetzten, McDonalds mit 34,7 Mio. EUR mehr Umsatz. Das kann die Kartoffelbranche freuen, denn hier gibt es immerhin Pommes frites. Der drittgrößte Umsatzgewinner aber ist Subway mit 24,0 Mio. EUR mehr Umsatz – hier dominieren Sandwiches und frische Salate die Speisekarte.

Das muss die Kartoffelbranche aufrütteln, sich Gedanken über das Image der Kartoffel und die Platzierung in der Gastronomie zu machen. Denn von den Erlebnissen im Außer-Haus-Verzehr gehen auch Impulse für die Tatkraft am heimischen Herd aus. Da heißt es genau hinzuschauen, welche Gastronomie-Segmente derzeit stark expandieren: Das sind die Freizeit-Gastronomie mit einem Zuwachs um 9,5 Prozent im vorigen Jahr sowie die Handelsgastronomie mit 5,0 Prozent Zuwachs. Eine kometenhafte Umsatzentwicklung beziffern beispielsweise die Restauranttheater „Eckart Witzigmann Palazzos“, die um 128,6 Prozent zulegten auf 16 Mio. EUR. Geboten wird vor allem Erlebnis.

Denn darauf kommt es immer mehr an: Erlebnisse und Spaß – auch beim Essen. Das bieten zwar McDonalds und Burger King mit ihrem Fastfood-Konzept in gewisser Weise als Marken auch. Doch allein auf deren Fritten-Verkauf darf sich die Kartoffelwelt nicht verlassen. Aus den USA wird bereits vom schrumpfenden Fritten-Verzehr berichtet.

Zudem könnte die gute Kartoffel ja auch mehr bieten. Doch in nahezu allen Erlebnis-Gastronomien spielt sie derzeit keine lustige Rolle. An einer deutlich besseren Marktbearbeitung gilt es gemeinsam als Branche zu arbeiten – vielleicht mit freundlicher Beratung der Köche in großen Freizeitparks, deren Gastronomie ebenfalls expandiert. Vielleicht lassen sich ja auch die Koch-Stars der Jugend Jamie Oliver und Tim Mälzer für trendige Kartoffel-Gerichte begeistern. Allein das routinierte Verschicken von Rezept-Blättern, wie das die CMA-Agenturen seit Jahren betreiben, wird nicht genügen, um der Kartoffel in der Spaßgesellschaft ihren Platz zu sichern.
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