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Horst Hermannsen

zum Frühkartoffelmarkt

Nervös

Am Markt für Speisefrühkartoffeln wächst die Nervosität. Seit einigen Wochen kennen die Preise nur eine Richtung – und die zeigt nach unten. Ausgelöst wurde diese negative Entwicklung vor allem durch das zeitweise sehr massive Angebot an Importware. Ein besonderes Problem stellten dabei die großen Bestände an Frühkartoffeln aus Ägypten dar. Ähnlich war die Situation auch bei den Knollen aus Israel. Die Ware wurde teilweise in Kühllägern zwischengelagert und bestimmte in dieser Saison unerwartet lange das Preisniveau. Aber auch gekühlte Knollen sind nicht unbegrenzt haltbar. So waren bald erhebliche Zugeständnisse bei den Abgabepreisen an der Tagesordnung. Dabei wurden abfallende Qualitäten zuweilen auf der Letztverteilerstufe regelrecht „verramscht“. So wolle der Handel Totalverluste vermeiden, hieß es übereinstimmend im Markt. Besonders nachteilig hat sich bislang die Ernteverzögerung in wichtigen Anbauregionen des Mittelmeerraumes ausgewirkt. Dies führte nicht nur zu verspäteten Anlieferungen, sondern auch zu dem drängenden und preisdrückenden Angebot auf allen Stufen.

„Für die Kartoffelbranche gilt in dieser Saison offenbar: Vom Regen in die Traufe“, meinte kürzlich die ZMP in einer vorläufigen Analyse. Recht haben die Bonner Marktbeobachter. Schließlich war das Geschäft mit alterntiger Ware nur selten erfreulich und der bisherige Verlauf der diesjährigen Frühkartoffelkampagne lässt weder bei den bäuerlichen Erzeugern noch beim Handel Freude aufkommen. Dabei ist es nur wenig tröstlich, dass man den deutschen Landwirten kaum Vorwürfe machen kann. So zog sich beispielsweise der Umstieg des Lebensmitteleinzelhandels auf Frühkartoffeln diesmal deutlich länger hin als ursprünglich erwartet. Dies brachte zwar zusätzlich Raum für die ebenfalls reichlich und preiswert zur Verfügung stehende alterntige Lagerware. Andererseits wurde aber damit der Absatz importierter Frühkartoffeln, die bereits reichlich aus den Lieferländern eingetroffen waren, arg begrenzt. Das insgesamt übergroße Angebot stieß auf eine witterungsbedingt eher unterentwickelte Nachfrage.

Die deutsche Frühkartoffelsaison ist somit von vornherein belastet. Angesichts der zeitweise geradezu chaotischen Verhältnisse waren die heimischen Erzeuger bislang gut beraten, ihre Rodungen so weit wie möglich zu beschränken. Dies erfordert eine enorme Disziplin, da die Unruhe und Ungeduld auf beiden Seiten täglich wachsen. Dennoch bleibt keine andere Wahl, als Vernunft walten zu lassen. Eine stärkere Marktbelieferung würde zu einem noch stärkeren Preisdruck führen, ohne dass sich deshalb die Nachfrage beleben ließe. Der bislang eher zögerliche Absatz deutscher Kartoffeln sorgt, nach Ansicht von Marktbeteiligten, zudem dafür, dass die Knollen besser abreifen können. Wenigstens dieser Umstand ist positiv zu werten. Noch konzentriert sich der Absatz deutscher Frühkartoffeln auf den Direktverkauf, die städtischen Großmärkte und die Markthändler. Inzwischen sind sie aber auch verstärkt im LEH zu finden.

Der durchschnittliche Erzeugerpreis für lose deutsche Speisefrühkartoffeln bewegt sich gegenwärtig zwischen 11 und 14 EUR/dt. Das sind gut 9 bis 10 Euro weniger als vor Jahresfrist. Ob damit bereits eine untere Widerstandslinie gefunden ist, weiß derzeit niemand überzeugend zu sagen. Ausschlaggebend für die nächsten Tage bleiben die Notierungen für die Importe. Mit dieser meist sehr gut ausgereiften Ware können sich die Abpackbetriebe preiswert versorgen.
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