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Cäcilie Daus-Speicher

zum Frühkartoffelmarkt

Teures Spiel

Es ist bei den Frühkartoffeln wie beim Fußball: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Dies gilt besonders dann, wenn die Runde wie derzeit in der Pfalz bereits kurz nach dem Anpfiff verloren ist. Da helfen keine Krisensitzungen, bei denen sich die Akteure den schwarzen Peter hin und her schieben und auf Verbandsebene fragwürdige Briefe an große Lebensmittelketten geschrieben werden.

Nein, da gibt es in der Kreisliga ebenso wie im Profifußball nur eins: Das Spiel muss präzise analysiert, Schwachstellen aufgedeckt und Erfolg versprechende Strategien nicht nur entwickelt, sondern auch umgesetzt werden. Das kann mit der alten Teambesetzung durchaus gelingen, wenn auf allen Seiten Einsicht in die notwendigen Korrekturen besteht und der Wille zum Erfolg auch ungewohntes, innovatives und kreatives Denken einschließt.

Um es vorweg zunehmen: Die Realität am Frühkartoffelmarkt sieht völlig anders aus. Die Vermarktung der Pfälzer Frühkartoffeln trägt in weiten Teilen die Handschrift der Endsiebziger Jahre, als die Devise „Das Angebot schafft sich seine Nachfrage“ noch Gültigkeit hatte. Für neue Ideen muss man sich schon fast entschuldigen. Mit dem Hinweis auf zielgerichtete, aber bisher unverwirklichte Konzepte in den Schubladen der Erzeugergemeinschaft macht man sich unbeliebt.

Aktuelles Beispiel: Die Anfragen großer Lebensmittelketten nach festschaligen, ausgereiften Pfälzer Frühkartoffeln in bedeutender Tonnage zur Lieferung zwischen 25. Juni und Mitte Juli können nicht bedient werden. – Ja, richtig gelesen – können nicht bedient werden! Man mag es nicht glauben, angesichts des händeringenden Suchens nach Platzierungsmöglichkeiten für neue Pfälzer und der flehenden Appelle der Erzeugergemeinschaft an die Landwirte 50 bis 60 Prozent der Flächen abzureifen. Damit könnte die Pfalz mit stabiler und qualitativ hochwertiger Ware dem Markt zur Verfügung stehen, wenn das vertraglich angebaute ausländische Angebot ausläuft.

Doch diese Maßnahme ist nicht Teil eines zielgerichteten Konzeptes, wie es vor Jahren schon in Fachkreisen diskutiert wurde, sondern eine Notaktion, die kurzfristig, unkontrolliert und planlos durchgeführt wird, um zu retten, was ohnehin schon verloren ist. Nicht einmal die Hälfte der gewünschten Menge an festschaliger Ware in ausgewählten Sorten kann die Pfalz für den gewünschten Zeitraum bereitstellen. Dies ist ein Skandal mit verheerenden Folgen: Einige große Lebensmittelketten führen bis zum heutigen Tag überhaupt keine neuen deutschen Frühkartoffeln in ihrem Sortiment, auch nicht die eigentlich bevorzugten Pfälzer. Das allein müsste Grund zum Nachdenken sein.

Wenn die Pfälzer Erzeuger so weiter wursteln wie bisher und die bitteren Erfahrungen der laufenden Saison nicht auf breiter Basis zum Umdenken und zur Korrektur der konzeptlosen Produktpolitik führen, dann ist der Pfalz auch nicht mehr mit einer gesegneten Kerze zu helfen. Heute funktioniert der Markt nämlich nach der Devise: Die Nachfrage schafft sich ihr Angebot und sucht ihre eigenen Wege – im Ausland oder im Inland – mit oder ohne die Pfälzer. Das haben die Ketten mit ihren Eigenmarken längst bewiesen. Die Saison 2005 ist nicht mehr zu retten. Doch die Weichen für 2006 müssen heute gestellt werden, denn: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.
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