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Horst Hermannsen

zu Frühkartoffeln

Abstimmung

Im Verlauf der vergangenen zehn Jahren waren die Erlöse nur 1997 noch niedriger. Da bietet es kaum Trost, dass die durchschnittlichen Erzeugerpreise aktuell geringfügig über dem Vorjahresniveau liegen. In den zurückliegenden Wochen war dies übrigens nicht der Fall. Die Kartoffelpreise gehen bis zum 10. August, dem offiziellen Ende der Frühkartoffelsaison, im langjährigen Mittel auf ein Niveau von gut 8 EUR/dt im Durchschnitt aller Sorten zurück. Derzeit liegen sie noch bei etwa 9 EUR/dt.

Die weiteren Aussichten am Kartoffelmarkt geben jedoch Anlass für einen gewissen Optimismus, wenngleich die Bäume sicher nicht in den Himmel wachsen dürften. Genährt wird diese Hoffnung unter anderem von der Kursentwicklung an den europäischen Warenterminbörsen. Insbesondere Verarbeitungsware scheint einen nennenswerten Spielraum nach oben zu haben. Für die positive Stimmung sorgen derzeit Schätzungen, die EU-weit eine um zwölf Prozent kleinere Kartoffelernte als 2004 vorhersagen und damit etwa auf dem recht niedrigen Niveau des Jahres 2003 liegen. Auch in Deutschland wird, als Folge der Anbaueinschränkung aber auch wegen witterungsbedingt niedrigeren Naturalerträge, die Erntemenge diesmal bei weitem nicht so groß sein wie im Vorjahr. Im Ausnahmejahr 2004 lag der Durchschnittsertrag immerhin bei knapp 442 dt/ha. Das entsprach einem absoluten Rekordergebnis.

Der Anbau in Deutschland, der im vorigen Jahr rund 295.000 Hektar umfasste, wurde in diesem Jahr wohl um fünf bis sechs Prozent eingeschränkt. Nach Schätzungen der ZMP dürften statt der 13 Mio. t des Jahres 2004 etwa 2 Mio. t weniger gerodet werden. 11 Mio. t wären allerdings für den hiesigen Bedarf noch immer gut ausreichend. Knapp könnten regional nur Übergrößen werden. Der Grund dafür: Häufig erfolgten die Pflanzungen verspätet. Dann war es in weiten Teilen Deutschlands zu trocken und schon der Juni brachte große Hitze. Dieser Witterungsverlauf bremste in der wichtigen Vegetationsphase das Wachstum der Knollen.

In den nächsten Wochen werden sich die Preise am Kartoffelmarkt aber nur wenig verändern. Erfahrungsgemäß ist die Konsumnachfrage während der Urlaubssaison eher unterentwickelt. Besonders stark bricht die Nachfrage regelmäßig während der Hitzeperioden ein. Andererseits sind die Frittenhersteller demnächst voll auf das neue Angebot angewiesen. Um die Marktverhältnisse bei Speisekartoffeln schon jetzt zu verbessern, wird eine bessere Abstimmung zwischen den Erzeugern und den nachfolgenden Handelsstufen für notwendig erachtet.
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