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Jan Peters

setzt auf den Haussier

Ringen

Das Ringen zwischen Haussiers und Baissiers an den Märkten für Speisekartoffeln ist für die beginnende Saison 2005/06 noch nicht beendet. Am Markt tendieren die Notierungen für fast alle Qualitäten eher seitwärts. Die Kurse haben noch nicht das aus Erzeugersicht gewünschte auskömmliche Niveau erreicht. In den ersten Runden hatte sicherlich der Baissier Vorteile. Aber der Haussier wird hier noch nicht aufgeben. Gewisse Veränderungen am Markt könnten ihm Recht geben.

Das Angebot an Speisekartoffeln wird in Deutschland 2005/06 nach der jüngsten Schätzung deutlich zurückgehen. In Deutschland und Europa haben sich die niedrigen Erzeugerpreise des vergangenen Jahres dämpfend auf die Ausweitung die Produktion ausgewirkt. Viele Unternehmer in der Erzeugerstufe haben sich umorientiert und die im Frühjahr für Kartoffeln vorgesehenen Flächen jetzt mit Mais für Biogasanlagen bestellt.

Die Reduzierung der Anbaufläche führt dazu, dass in einigen Regionen Norddeutschlands das Angebot an Speisekartoffeln um bis zu 20 Prozent zurückgeht. Nach Meinung Hamburger Händler wird das ausreichen, den Markt nachhaltig zu entlasten und zu einem festen Preisniveau im gesamten Verlauf des laufenden Wirtschaftsjahres 2005/06 führen. Derzeit sind schon deutliche Stabilisierungstendenzen an den Märkten zu erkennen. Je nach Fortgang der Feldarbeiten zogen die Preise zuletzt an. Bisher liegen die Kartoffelerträge oft niedriger als im Rekordjahr 2004. Im laufenden Jahr rechnen Hamburger Händler nur noch mit etwa 410 dt/ha nach einem Durchschnitt des vorigen Jahres von 441,8 dt/ha. Dadurch wird die Ernte in 2005 doch viel kleiner sein, als allein auf Grund der eingeschränkten Anbaufläche zu erwarten ist.

Angesichts des kleineren Aufkommens wird sich am Markt ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage einstellen. Meldungen über Proberodungen der mittleren und späten Sorten lassen Mindererträge gegenüber dem Vorjahr von bis zu 20 Prozent erwarten. Sollte sich die Nachfrage in den kommenden Wochen lebhafter entwickeln, reicht das Angebot an Speisekartoffeln der bevorzugten Qualitäten wohl nur knapp aus, so dass weiter steigende Preisforderungen durchgesetzt werden könnten.

Bisher war die Nachfrage nach heimischen Speisekartoffeln etwas verhaltener als erwartet. Somit konnten am Markt für Frühkartoffeln nur die ersten Anbieter von den anfangs höheren Preisen profitieren. Vieles wird davon abhängen, wie sich im weiteren Verlauf die Verbrauchernachfrage entwickeln wird. Mit dem Ende der Ferien dürfte die Nachfrage zunehmen. Diese Fakten sprechen für den Haussier, der im Ringen mit dem Baissier für steigende Kurse einsteht. Dem Baissier könnten lediglich Punkte zugesprochen werden, wenn das Angebot aus den osteuropäischen Ländern höher als erwartet ausfallen wird. Im laufenden Wirtschaftsjahr scheint es aber, als werde der Haussier an den Märkten für Speisekartoffeln den Kampf gewinnen.
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