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Jan Peters

zu den Energiepreisen

Ungleich

Energie ist ein besonderes Gut. Keiner kann auf sie verzichten. Millionen Privatleute, aber auch viele Unternehmen klagen derzeit über zu hohe Kosten. Die Strompreise sind in Deutschland höher als im europäischen Ausland.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sind insbesondere die energieintensiven Betriebe unter anderem bei der Aufbereitung und Verarbeitung von Speisekartoffeln auf angemessene Preise angewiesen. Nur dann kann der zügige Absatz der Produkte auch aus der Lebensmittelverarbeitung gelingen. Spezielle die Verarbeiter weichen bei zu hohen Kosten schnell in günstigere Regionen ab.

Strommärkte sind nicht mit Agrarmärkten zu vergleichen. Bei Strom wurde zwar vor Jahren schon die Globalisierung umgesetzt, sie hat zu insgesamt leicht sinkenden Preisen geführt. Doch die Macht ist sehr ungleich verteilt. In Deutschland beherrschen vier Unternehmen den Markt, die RWE, Eon, die EnBW und Vattenfall. Diese betreiben etwa rund 80 Prozent der Kraftwerkskapazitäten und kontrollieren die Hochspannungsnetze in Deutschland.

Insbesondere mit den hohen Durchleitungskosten in den Hochspannungsnetzen wird in Deutschland Geld verdient.

Dies ist allerdings nichts Unehrenhaftes. In Deutschland, anders als in den USA, geraten Unternehmen schnell in die öffentliche Kritik, wenn sie sehr hohe Gewinne erwirtschaften. Es wird dabei aber oft übersehen, dass Gewinne Unternehmen im Grunde genommen stärken und dass aus diesen Investitionen finanziert und neue Märkte erschlossen werden. Wer Verluste schreibt, kann nicht bestehen. Auch Unternehmen, die sich nur knapp in den schwarzen Zahlen bewegen, schaffen in der Regel keine Arbeitsplätze. Das alles gilt auch für Energiekonzerne. Insofern bedeuten deren anhaltend hohe Gewinne zunächst nichts Schlechtes.

Die Wirtschaft und auch die Lebensmittelindustrie benötigen aber niedrigere Preise. Um die Ungleichgewichte im Markt der hohen Strompreise und insbesondere der hohen Durchleitungskosten zu regulieren, wurde es höchste Zeit, dass eine Bundesnetzagentur die Preise kontrolliert. Jetzt wird ermittelt, wie viel die großen vier Unternehmen für die Durchleitung des Stromes durch ihre Netze verlangen. Der Markt, der vieles regeln kann, kann es in diesem Fall nämlich nicht, deswegen ist diese Kontrolle notwendig. Einige Kenner im Markt behaupten, dass die Durchleitungskosten um fast 80 Prozent überhöht sind – höher als die tatsächlich anfallenden Kosten. Sollte sich dies bestätigen, dürfte die neue Agentur schnell für eine bessere und günstigere Regulierung der Stromversorgung beitragen. Die Reaktionen von Eonund RWE zeigen, dass sie zu niedrigeren Durchleitungskosten durchaus bereit sind. Wettbewerbsfähige Strompreise könnten damit den Standort Deutschland aufwerten. Dies würde der Industrie, den Verarbeitern, auch den Landwirten als Erzeugern von Nahrungsmitteln und Rohstoffen sowie Lebensmitteln und Speisekartoffeln zugute kommen.
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