1

Hermann Steffen

zum Herbstgeschäft

Pflanz gut!

Nach einem sehr schleppenden Beginn geht das Herbstgeschäft mit Pflanzkartoffeln dem Ende zu. Die Verladungen werden in den nächsten Tagen abgeschlossen sein. Keine Überraschungen gab es bei den Preisen, die von den Züchtern entweder nur moderat angehoben oder unverändert gelassen wurden. Die Verfügbarkeit der frühen Sorten war unterm Strich ebenfalls zufriedenstellend, denn niedrigere Erträge und die kleinere Vermehrungsfläche konnten durch hohe Pflanzgutanteile weitgehend wettgemacht werden. Doch wer zuletzt noch gefragte Verarbeitungssorten wie Premiere, Fontane oder Pirol benötigte, musste sich schon beeilen.

Die sehr frühe Speisesorte Annabelle war so schnell geräumt, dass sie ihren namentlichen Reifeeigenschaften alle Ehre machte. Die verfügbaren Pflanzgutpartien von 150 ha Annabelle aus diesem Jahr reichten gerade aus, um die Hälfte der Bestellungen zu bedienen. Es unterstreicht den Premium-Anspruch dieser Sorte, dass die Erzeuger beim Pflanzgutbezug bereit sind, hierfür deutlich mehr als für traditionelle Sorten anzulegen. Insgesamt entspricht der Pflanzgutwechsel bei den frühen Sorten dem traditionellen Rahmen zwischen 80 und 100 Prozent.

Dass eine Sorte mit Tradition ebenfalls ausverkauft ist, mag niemand verwundern, besonders wenn sie Linda heißt. Nach dem juristischen Vergleich zwischen Züchtern und Landwirten wurden die geeigneten Partien zwar als Pflanzkartoffeln aufbereitet, decken aber den Liebhaber-Bedarf für die kommenden Auspflanzungen bei weiten nicht ab. Darüber, wie die Vermehrung dieser Sorte im kommenden Jahr aussehen wird, gibt es zwar noch keine Planung, aber mit Belana hat der Züchter eine geeignete Nachfolgesorte in der Hand und schon jetzt einen Aufwuchs von 280 ha Vermehrung in den Scheunen. Auch wenn Linda bei Insidern und in der Kartoffelbranche schon seit einiger Zeit keine Rolle mehr spielt, hat sie es doch geschafft, der Kartoffel ein positives Image in der Öffentlichkeit zu vermitteln.

Für recht gute Laune bei den Landwirten sorgen die auskömmlichen Konsumpreise. Diese bessere Stimmung lässt Züchter und Branche auf ein gutes Anschlussgeschäft für die mittefrühen und späten Sorten hoffen. Bei ihnen liegt der Pflanzgutwechsel mit 50 bis 55 Prozent nämlich weiter im Argen. Die Verladungen hierfür fangen zwar erst im Februar an, doch es deuten sich in ersten Fällen bereits höhere Aberkennungsraten als bei den frühen Sorten an. Die Hoffnung auf ein gutes Anschlussgeschäft scheint daher nicht einmal unbegründet, besonders wenn die Erzeugerpreise für Speisekartoffeln den Schwellenwert von 10 €/dt überschreiten sollten. Denn dann wird sich möglicherweise der ein oder andere Landwirt zum Verkauf seiner Konsumware entschließen, um mit anerkanntem Pflanzgut auf der sicheren Seite zu sein.
stats