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Jan Peters

zu Preisfantasien

Wendezeit

Ob der Speisekartoffelmarkt an der Wende zu einer freundlicheren Preisentwicklung steht und sich letztendlich auf einem höheren Preisniveau stabilisiert, werden die kommenden Wochen zeigen. Bei den anhaltenden Minustemperaturen in allen Teilen Deutschlands ist die Aufbereitung und Auslagerung eingeschränkt und nur durch höheren Aufwand möglich. Im Zug der bereits stark angezogenen Obst- und Gemüsepreise können die Abpackunternehmen beim Absatz von Speisekartoffeln bereits stetigere Preise als zuvor erzielen. Damit macht sich zum Anfang des Jahres 2006 eine etwas freundlichere Tendenz bemerkbar.

Die jüngste leicht freundlichere Preisentwicklung ist vor allem vor dem Hintergrund einer nicht zu hohen Ernte 2005 abzuleiten. Obwohl die Preise für Speisekartoffeln sich gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt haben, bewegen sie sich gerade einmal auf einem kostendeckenden Niveau für die Erzeuger. Abgeleitet von den derzeitigen Erntezahlen halten Hamburger Händler eine erneute Reduzierung der Anbaufläche für Speisekartoffeln im laufenden Jahr 2006 für ratsam. Sie appellieren an die deutschen Bauern, die Anbaufläche nochmals um fünf Prozent zu reduzieren, um Angebot und Nachfrage bei einem zufrieden stellenden Preisniveau zu stabilisieren.x Auch die Anbauer von Frühkartoffeln, die in Kürze mit der Auspflanzung beginnen, sollten ihre Anbaufläche noch einmal vermindern, um höhere Preise zu erzielen. Einige Marktexperten halten für die EU-25 eine Kartoffelernte von 42 Mio.t für völlig ausreichend. Im Wirtschaftsjahr 2005/06 wurde eine Erntemenge von 43,8 Mio. t erreicht. Höhere Erntemengen müssen vermieden werden, um einen weiteren Preisdruck zu verhindern.

Immer mehr Speisekartoffeln werden derzeit über den Vertragsanbau vermarktet. Der freie Handel, der letztendlich für Preisbewegungen Ausschlag gebend ist, gerät mittelfristig immer mehr ins Hintertreffen. Auch findet der Anbau von Speisekartoffeln in Deutschland heute immer mehr in spezialisierten Großbetrieben statt. Kleinstrukturierte Landwirte erzeugen zwar für den hofeigenen Bedarf, dennoch sind deutliche Konzentration der Erzeugerstufe zu beobachten. Die Anzahl der kartoffelanbauenden Betriebe hat sich seit 1993 von 155.000 Betrieben auf nur noch 75.000 Unternehmen verringert. Dies ist mehr als eine Halbierung der landwirtschaftlichen Betriebe. Die niedrigen Kartoffelpreise der vergangenen Jahre führen zu spürbaren Liquiditätsengpässen der landwirtschaftlichen Betriebe. Das spüren besonders die Züchter von Pflanzkartoffeln. Die Nachfrage ist im Herbst zurückgegangen. Viele Landwirte werden wohl vermehrt auf den eigenen Nachbau zur Auspflanzzeit im Jahr 2006 setzen. Höherer Krankheitsbefall und niedrigere Erträge dürften die Folge dafür sein.

Für die Preisfantasien in den kommenden Wochen werden oft die erheblich niedrigeren Ernten in Osteuropa herangezogen. Über Exporte in diese Länder wird viel gesprochen und geschrieben, konkrete Abschlüsse in den Büchern der norddeutschen Exporteure haben jedoch bisher nur Seltenheitswert. Oftmals verfügen diese Länder nicht über die nötigen Devisen, denn neben dem relativ hohen Preisniveau in unserer Region müssen zusätzlich die nicht unerheblichen Frachtkosten bezahlt werden. Die LKW-Frachten haben sich wegen der Maut-Gebühr und der hohen Dieselpreise zuletzt auf einem hohen Niveau stabilisiert. Daher werden zwar leicht festere, insgesamt aber wohl nur wenig höhere Preise für Speisekartoffeln in den kommenden Wochen vorhergesagt.

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