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Brigitte Stein

zur Fußball-Weltmeisterschaft

Hoffnungen

Wer bei dem Wort „Fußball-Weltmeisterschaft“ an Sport denkt, könnte was verpassen. Denn um Sport geht es vom 9. Juni bis zum 9. Juli vielleicht noch den Fans. Den Profis auf dem Rasen geht es im professionellen Sinn vielleicht auch noch um den Sport. Aber um diese Fußballerwelt herum hat sich doch ein erhebliches geschäftliches Umfeld aufgebaut, an das sich viele Hoffnungen knüpfen. Möglicherweise zu viele, wie schon die ersten Zweifler meinen.

Immerhin die Stadiongastronomie spielt mit nahezu grenzenlosem Optimismus auf. Schon allein eine längere Aufenthaltszeit der Zuschauer im Stadion bietet Perspektiven: Bis zu sieben Stunden verbringen die nahezu unversorgt angereisten Fußballnarren vor Ort. Gute Laune bringen sie angeblich immer mit, damit sich der Umsatz auch wirklich zügig dreht, trainieren die Stadiongastronomen vorab ihr Personal auf schnellen Geldwechsel und raschen Ausschank. Vorbereitungen haben auch die Kartoffelverarbeiter getroffen mit einem Angebot von besonders schnell zuzubereitenden Pommes Frites, damit die Halbzeitpause optimal genutzt werden kann.

Auch außerhalb der Stadien setzen Gastronomen auf diese Halbzeitpausen: Restaurants bieten Hamburger-Brötchen mit Fußball-Prägung, Pizzen gibt es mit nationalen Spezialitäten und Backwaren mit Rasenplatzmotiv oder auch in Nationalfarben. Pizza-Lieferservices berufen sich auf Erfahrungen von mehreren Fußballweltmeisterschaften und Europameisterschaften: Jedesmal waren im Turniermonat Umsatzsprünge zu verbuchen.

Auf der Strecke bleiben werden aber wohl die Speisefrischkartoffeln. Denn schnell muss es gehen in der Halbzeitpause und zwischen den Spielen. Und das überwiegend junge, Fußballbegeisterte Publikum hält ohnehin nicht viel vom Schälen. Darauf hat sich die CMA eingestellt mit ihrer jüngsten Presseinformation, die Kartoffeln als „idealen Begleiter durch die Fußball-WM“ anpreisen: Die „11 für den guten Geschmack“ kommen durchweg aus der Tüte und heißen Klöße, Püree, Kartoffelsuppe, Kroketten, Rösti, Kartoffeltaschen, Pommes Frites, Kartoffelpuffer, Kartoffelspalten, Gnochi und Kartoffelchips. Bei so viel dynamischen Konkurrenten geht es der guten alten Salz- und Pellkartoffel wie Oliver Kahn – sie muss sich auf der Ersatzbank einrichten und auf ihre Chance hoffen. Vielleicht kann sie es sportlich nehmen und sich damit trösten, dass so viele Kartoffelvariationen sich hoffentlich doch gegen Pizza und Gebäck behaupten.
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