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Cäcilie Daus-Speicher

zum Frühkartoffelmarkt

Zirkus

In diesem Jahr findet in der Pfalz eine Zirkusvorstellung ganz anderer Art statt. Die Akteure sind zwar die gleichen wie in den Vorjahren, doch sie haben ihre Nummern – um im Bild zu bleiben – besser abgesprochen und koordinierter einstudiert. Hinzu kamen günstige Rahmenbedingungen und wenig Konkurrenz. Die Vorstellungen wurden gut angenommen und die Kasse klingelte. Das hätte durchaus so weitergehen können, wenn da nicht die als neue Hauptattraktion gesetzte Zirkusnummer mit neuer Besetzung und eigens vom Niederrhein angereist, für Unruhe, Misstrauen und Empörung unter den Akteuren sorgte. Plötzlich passte nichts mehr zusammen. Die ganze Vorstellung kam ins Stolpern: Die Hauptattraktion wurde verschoben, das Klingeln der Kasse leiser, die restlichen Akteure sahen sich um ihren Erfolg betrogen.

Was ist geschehen? Sie ahnen es schon: Es geht um den Pfälzer Frühkartoffelmarkt, der in diesem Jahr ungewöhnlich glatt lief. Die Preise wurden aktiv mit gestaltet und lagen Anfang Juli noch auf stolzem und vom Markt akzeptierten Niveau, dem Erzeugerpreise von 30,00 €/dt zu Grunde lagen. Eigentlich gab es auch keinen Grund, der dies schlagartig hätte ändern können, wenn da nicht die umworbene Hauptattraktion zum Stolperstein geworden wäre. Sie bestand darin, dass ab 15. Juni vertraglich angebaute Industriekartoffeln, zusätzlich zu den üblichen Vertragslieferungen an die regionale Chipsfabrik über die rheinische Firma Weuthen, Schwalmtal, abfließen sollten und – so die Hoffnung der Akteure – den Markt spürbar entlasten sollten. Vor Ort lief die Aktion unter anderem über die Weuthen-Partnerfirma Maurer Parat in Dannstadt-Schauernheim. Der Abzug der Ware wurde ohne einleuchtende Erklärung der Schwalmtaler von Woche zu Woche geschoben, bis schließlich am 30. Juni die Notierungspreise von 15,00 €/dt für freie Industrieware der Rheinischen Erzeugergemeinschaft vorlagen, wobei nicht ausdrücklich erwähnt werden muss, welche Kartoffelhandelsfirma die Erfasserseite in der rheinischen Notierungskommission mit vertritt. Nun scheute man sich nicht mehr, die Pfälzer Preisnotierungen als „Mondpreise“ zu bezeichnen, zu denen man am Markt keine Kartoffeln platzieren könne. Vermarktern und Erzeugern machte man zwei Optionen: Die restliche Kontraktmenge – es waren bis dahin etwa 1.000 t abgenommen worden – komplett zu streichen oder die Verladung zu marktgerechten Preisen – die rheinischen Notierungen hatte man freundlicherweise beigefügt – zu liefern. Dies tun mittlerweile die meisten Erzeuger zähneknirschend und auf Grund eines ausgehandelten Entgegenkommens der Abnehmerseite, weil ihnen mit erntereifen Industriesorten im Grunde keine andere Wahl bleibt und der rechtliche Weg wenig Hoffnung bietet.

Den guten Willen aller Beteiligten einmal unterstellt, dürfte ein wesentlicher Teil des Dilemmas schlicht dem Umstand zu verdanken sein, dass der Speisemarkt in der 2. Junidekade noch ungeahnt hohe Preise aufwies, die offensichtlich überhaupt nicht ins Preisbild rheinischer Industriewarenvermarkter passten. Nicht nur böse Zungen stellen nun die Frage, ob nicht kurzerhand nachgeholfen worden ist, um das Pfälzer Preissystem sozusagen zwangsweise dem Rheinischen anzupassen. Jedenfalls nähren das lange Hinauszögern der Industriebelieferungen und die „Gutsherrenart“ , mit der man versuchte, die Pfälzer Erzeuger auf Linie zu bringen, solche Vermutungen in der Branche.

So haben alle verloren, die Erzeuger – nicht nur in der Pfalz, sondern bundesweit – eine Menge Geld und die Firma Maurer Parat Vertrauen und Image. Der Firma Weuthen schließlich haftet nach Meinung von Marktbeobachtern das „Geschmäckle“ an, aus Eigeninteresse über die Querverbindung Rheinland und Pfalz an den Preisschrauben zu drehen. Ein Wahnsinns-Zirkus, dem die Akteure mit Nachdruck Einhalt gebieten müssen.
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