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Brigitte Stein

zur Beregnung

Zuverlässig

Die sommerliche Hitze bringt es ans Licht: Wer eine Beregnungsanlage hat, ist besser dran. In den frühen Anbauregionen hat die Beregnung der Bestände schon direkt den Ertrag in recht gewohntem Umfang gesichert. In den späteren Anbauregionen sorgen die Beregnungen derzeit dafür, dass die Bestände in Bereitschaft zum Wachsen bleiben und nicht die Abreife signalisieren, lange bevor die Knollengröße stimmt. Doch in Deutschland konnten sich bislang nicht viele Erzeuger zu einer solchen Investition durchringen.

„Um einen Liefervertrag zu unterschreiben, müsste ich eine Beregnungsanlage anschaffen – also lasse ich das lieber,“ erklärte ein Landwirt kürzlich. Er konzentriert sich dann schon lieber auf die Direktvermarktung. Schöne Sache – aber letztlich doch ein Vermarktungsweg, der sich nur für wenige Kartoffeln und somit für wenige Landwirte eignet. Der besagte Liefervertrag erzwingt noch keine Anlage, aber es wären Qualitäten gefordert, die nur mit Beregnung zuverlässig zu erreichen sind. Hier liegt der Umkehrschluss nahe: Wer nicht in die sichere Wasserversorgung seiner Kartoffeln investiert, für den ist die Qualität kein Muss. Ein erschreckender Gedanke, der sich fortsetzt in einer aktuellen Marktbeschreibung: „Abgepackt wird derzeit alles, was aussieht wie eine Kartoffel.“ Wer so denkt und handelt, erweist der gesamten Kartoffelbranche einen Bärendienst. Denn jede Tüte misslungener Kartoffeln beim Verbraucher dämpft dessen Freude am Kartoffel-Konsum.

Aber immerhin war jener Landwirt konsequent genug, ohne Beregnung keinen Liefervertrag zu unterschreiben. Andere wiederum haben durchaus Verträge gemacht, die sie in die Pflicht nehmen könnten, Ware zu beschaffen, um den Vertrag zu erfüllen. Damit wäre dann die Sparsamkeit bei der Beregnung erst recht ein teurer Spaß. In solchen Fällen bleibt nur, auf die Einsicht des Abnehmers zu setzen, der sicher auch in künftigen Jahren Kartoffeln braucht und Vertragspartner suchen wird.

Doch langfristig, das haben in diesem Jahr viele Erzeuger erkennen müssen, führt kein Weg an einer Investition in die Wasserversorgung vorbei – nicht nur für die Verarbeitungslieferanten, sondern auch für die Erzeuger von Speisefrischkartoffeln, insbesondere für Qualitätsprogramme. Manch einer sieht seinen Nachbarn schon im Vorteil, der sich bereits über die technischen Feinheiten kundig gemacht hat. Schlimmer dran ist mancher Erzeuger in den Niederlanden, wo bis zu 40 Prozent weniger Kartoffeln erwartet werden: Aus phytosanitären Gründen ist die Beregnung von Kartoffeln und anderen Nachtschattengewächsen in ausgewiesenen Gebieten verboten. Der Pflanzenschutzdienst kontrolliert dort scharf. Einige wenige Sünder wurden schon ausfindig gemacht, die auf keinen Fall zusehen wollten, wie ihre Kartoffeln Durst leiden.

Nur eine Gruppe von Marktteilnehmern könnte sich darüber ärgern, wenn starke witterungsbedingte Schwankungen der deutschen Kartoffelerntemenge ausbleiben: Die Nutzer und Betreiber der Warenterminbörse. Schließlich leben Termingeschäfte von Spekulationen auf Grund von Unsicherheit – und was ist da zuverlässiger als das Wetter?
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